Quer durch Marokko | Blog #009

Gerade so passen wir in das kleine, weiße Auto. Erst mal raus aus der Stadt. Der Verkehr ist eher gewöhnungsbedürftig. Gefühlt fährt jeder wie er will, auch Fahrbahnbegrenzungen gibts nicht wirklich. Ab und zu trifft man auf Esel, die riesige Karren voller Obst und Gemüse ziehen müssen. Man merkt, dass die Armut das Land beherrscht, trotzdem scheint das warme Wetter die Leute bei Laune zu halten.

Langsam kommen wir raus aus dem bebauten Gebiet, vorbei an großen Plantagen sehen wir in der Ferne schon das Gebirge. Teilweise noch schneebedeckte Gipfel glänzen im Sonnenlicht. Es dauert nicht lange und alle sind sich einig: wir müssen heute unbedingt in diesem Gebirge schlafen!

Das Atlas Gebirge breitet sich von der westlichen Küste Marokkos nach Nordosten aus. Dabei trennt es das Land in zwei hälften, im Süden die Steppe, viele öde Landschaften und Beginn zur Sahara. Im Norden mehr grün, mehr Hügel und die meisten großen Städte wie Marrakech, Casablanca oder Rabat befinden sich hier.

Es ist jetzt knapp 16Uhr, wir biegen von der Hauptstraße ab und fahren Richtung Norden. Wir kennen uns ja mit Bergen aus, waren schon viel wandern in den Alpen, aber das ist doch was anderes. Der südliche Teil ist ein sehr trockenes Gebirge, viel orangenes Gestein, wenig Bäume, karge Landschaft aber trotzdem fesselnd. Es geht eine enge Bergstraße hoch, wo grad mal zwei Autos nebeneinander passen. Die Sonne legt sich langsam, jetzt strahlt alles in einem roten Licht und wir kommen gar nicht mehr aus dem Staunen raus. Hinter uns liegt ein riesiges Tal, man kann die vielen Anbaufelder genau erkennen. Vor uns warten noch einige Höhenmeter und enge Bergpässe. Langsam müssen wir uns aber einen Schlafplatz suchen, die Nacht bricht an. Da wir in Sachen Roadtrips schon erfahren sind wissen wir auch, dass man die besten Schlafplätze nur findet, wenn man die Straße verlässt – wenn man dort lang fährt, wo man angst um sein Auto haben muss; dort, wo man eigentlich nicht lang will.

Wir biegen auf eine kleine Lehmstraße ab, rechts neben uns geht es steil runter, von links könnten jeder Zeit Steine herab fallen. Hier sind wir richtig. Tatsächlich führt der Weg zu einem kleinen Bergdorf, das in die Berge eingebettet und geschützt ist. Wir stellen davor unser Auto ab und klettern einen kleinen Hügel hoch, sodass wir etwa 100 Meter höher als das Dorf sind. Hat sich gelohnt. Die letzten Sonnenstrahlen leuchten über dem Horizont, ein wunderschönes orange/rotes Licht legt sich über die Gipfel, vereinzelte Sterne tauchen auf. Aus dem Dorf hört man einen Priester seine Gebete singen und ab und zu schreit ein Esel.

Der morgen bricht an. Wir wollen das kleine Dorf anschauen. Drei kleine Jungs erwarten uns schon, sie wollen, dass wir mitkommen. Einer führt uns in ein Haus herein, wir sind zuerst ein bisschen skeptisch aber der kleine besteht darauf. Ein Mann empfängt uns herzlich, lädt uns in sein Wohnzimmer ein und tischt ein unglaubliches Frühstück auf. Wir sind total überwältigt von der Gastfreundschaft hier. Leider können wir uns nicht wirklich unterhalten, keiner von uns spricht eine gemeinsame Sprache, lachen können wir trotzdem zusammen. 

Nach ein paar Stunden Fahrt liegt Marrakech vor uns. Wir haben uns ein Riad gebucht, eine art Hostel. Direkt im Zentrum des großen Souks. Souks sind die großen Märkte in Marokko, man findet sie überall und man kann fast alles dort kaufen. Essen, Kleidung, Instrumente. Ein einziges Chaos herrscht hier, Rollerfahrer rasen durch die engen Gasen, ständiges Hupen, Mandarinenverkäufer überall. Aber es ist ein angenehmes Chaos, man wird nicht übern Haufen gefahren oder von den Menschenmassen erdrückt, alles ist so anders. An den Wänden und an den Decken hängen lange Kleider und gestrickte Wolljacken, jeder will dir was verkaufen und dir klar machen, dass das ein unschlagbarer Preis ist. Überall gibt es was zu sehen und zu kaufen. Die vielen Gewürzverkäufer verbreiten verschiedene Gerüche durch die Gassen und so schlendert man dahin, weiß nicht ganz genau was man als nächstes kaufen soll.

Alle Wege führen am Ende zu dem großen Marktplatz, dort gibt es unzählige Essensstände. Wir lassen uns von einem der Kellner anwerben und überreden in seinem Restaurant zu essen, weil „Good price“. Die Einheimischen wissen wie sie mit Touristen umgehen müssen, solange nerven bis man aufgibt, da muss man sich aber drauf einlassen. Man darf sich dadurch nicht die Laune verderben lassen, auch wenns anstrengend ist 10 mal Nein hintereinander zu sagen.

Das nächste Ziel wird Chefchaouen sein. Die blaue Stadt. Der weg dahin führt durch Steppenlandschaften wie in der Mongolei, grüne Hügel wie in Irland und Gebirgsstraßen wie in den Alpen. Die Stadt liegt im Ref-Gebirge, ein Teil des Atlasgebirges im Norden von Marokko. Von weitem kann man schon die blauen Häuser heraus stechen sehen. Chefchaouen bedeutet „zwei Hörner“ und meint damit die zwei Bergspitzen, die man von der Stadt aus sehen kann. Das Blau soll böse Blicken ablenken und somit die Einwohner schützen.

Wir lernen Hassan kennen, unser Hostelbesitzer. Ein super Typ und mit seiner Band „The Seven Doors“ auch ein kleiner Rockstar in Marokko. Er führt uns ein wenig in der Stadt rum, zeigt uns die umliegenden Berge und erklärt uns die wahre Situation in Marokko.

Auch hier gibt es einen Markt, aber ganz anders wie in Marrakech. Es ist wenig los, keine Mopeds rasen an dir vorbei und die Verkäufer sind nicht so aufdringlich. Man wandert durch die kleinen Gassen, von oben strahlt die Sonne herunter und bringt das blau links und rechts neben dir zum Leuchten. Man fühlt sich wohl hier. Wir essen ein traditionelles Gericht, ein Tajine, das ist Coucous mit verschiedenem Gemüse und Fleisch serviert in einem Tontopf.

Wir sind jetzt schon fünf Tage unterwegs, das Segeln hat man fast ganz vergessen, aber jetzt gehts wieder zurück. In Agadir angekommen sind wir gespannt ob das Boot noch da steht. Genau so wie wir es verlassen haben, liegt die Eira noch entspannt im Wasser, geduldig wie sie ist.