Notankern bei 30 Knoten Wind | Blog #005

La Coruña überrascht uns mit seiner Schönheit. Mit knapp 250.000 Einwohnern eine ziemlich große Stadt an der nördlichen Küste Spaniens. Wir durchwandern die kleinen Gassen und staunen vor den massiven Hochhäusern. Bei Nacht leuchtet die Küstenpromenade und selbst bis spät in die Nacht sind die Bars und Cafés gefüllt. Leider kann man nicht viel Kontakt mit den Einwohnern aufbauen, weil nur sehr vereinzelt Englisch gesprochen wird. Auch im Supermarkt können wir uns nur mit Händen und Füßen verständigen.
Wir brechen am Mittwoch den 24. Oktober wieder auf, wissen aber jetzt schon, dass wir nicht weit kommen werden, da der Wind kaum Vorhanden ist. Wir haben aber eine kleine Insel mit Bucht zum Ankern in Ausblick die gerade mal 20 Seemeilen entfernt ist. Trotz der kurzen Distanz sind wir fast sieben Stunden unterwegs, teilweise mit Motor. Wir werfen bei Dämmerung den Anker und beim zweiten Versuch sitzt er auch fest im Boden; Tim schläft trotzdem zur Sicherheit an Deck.
Am nächsten Tag Packen wir unserer Badehosen aus und schmeißen das Dingi ins Wasser. Wir pumpen unser Stand Up Paddling Board auf und surfen hinter dem Beiboot her. Mit 14 Grad ist das Wasser zwar noch nicht Badereif, aber zum reinspringen reicht es. Gegen Nachmittag machen wir uns auf den Weg und erkunden die Insel. Wir besteigen den 200 Meter hohen Berg und sind überwältigt von der Aussicht. Die Insel scheint ziemlich verlassen zu sein, alte Ruinen werden von der Natur zurück erobert und scheinen jeden Moment einzubrechen. Große, vom Regen rund gewaschene Felsen prägen die Landschaft und überall setzt sich ein Gelber Moos ab. Ab und zu sehen wir Feldhasen über den Weg huschen, sonst scheinen aber nicht viele Tiere hier zu leben. Wir stapfen durch die Kniehohen Flechten bis auf die andere Seite, die dem offenen Meer zugewandt ist. Eine Atemberaubende Szenerie! Fast senkrecht gehen die Klippen runter zum Meer, wo gewaltige Wellen gegen die Felswände prallen. Ein Paradies für lebensmüde Kletterer.
Wir gehen weiter Richtung Westen um den Sonnenuntergang zu verfolgen. Dabei kommen wir an einem alten Leuchtturm vorbei, der einsam an der Brandung steht und vielen Schiffen den Weg weist. Die letzten Sonnenstrahlen legen die kleine Insel in einen warmen gelblichen Schleier und wir kommen aus dem Staunen garnicht mehr raus. Bevor die Sonne ganz weg ist machen wir uns auf den Rückweg zu unserem Zuhause. Das Ankerlicht unserer Eira leuchtet uns entgegen und wir sind auch ein bisschen froh, dass unser Schiff noch am selben Platz steht.
Am frühen Morgen geht es weiter, da wir vor dem kommenden Sturm in einen Hafen Flüchten müssen. 50 Seemeilen werden entspannt zurück gelegt bis wir zu dem Yachthafen von Muros kommen. Der Wind nimmt merklich zu und wir freuen uns schon auf die sichere Nacht. Das kleine Städtchen liegt etwa 4 Seemeilen in einer Bucht. Der Wind ist jetzt so stark, dass wir gezwungenermaßen die Segel hissen müssen und mit dem Motor weiter fahren müssen. Hohe Wellen brechen über dem Vordeck und machen uns die Einfahrt nicht leicht. Der Motor läuft auf der höchsten Stufe aber wir kommen kein bisschen voran. Nun stürmen schon fast 35 Knoten gegen uns, die seitlichen Berge bilden einen Windkanal und verstärken den Effekt nochmal. Wir können nicht mehr weiter, der Sprit wird immer weniger und wenn es so weiter geht schaffen wir es bis zum Hafen nicht. Wir müssen umdrehen und Notankern! Mit bedrückten Minen und Rettungswesten sitzen alle Mann im Cockpit, Tim steuert das Boot aus dem Kanal in eine kleine windgeschützte Bucht. Noch immer knallen 30 Knoten Wind gegen das Boot während wir den Anker fallen lassen. Von vorne schreit Tim Tom zu, er soll Rückwärts fahren. Die Ankerkette rattert über die Rolle. „Stopp!“. „Was??“. „Stehen bleiben!“. Nur schwer kann man sich bei dem heulen des Windes verständigen. Durch starkes Gas geben nach hinten fahren wir den Anker ein, damit er sich noch mehr in den Boden eingräbt und besser hält. Auf unserem Plotter sehen wir dass sich das Boot nicht mehr bewegt, das heißt der Anker hält bis jetzt. Unter Deck stärken wir uns erstmal und checken den Wetterbericht für morgen. Um 6 Uhr soll der Wind abschwächen, bevor der Sturm wieder loslegt. Mit einem mulmigen Gefühl gehen wir alle früh schlafen.
Wir nutzen das Zeitfenster und versuchen es um 7 Uhr ein zweites mal. Ohne Probleme kommen wir durch die Engstelle und fahren noch bei Dunkelheit in den Hafen ein. Schnell anlegen und dann wieder aufs Ohr hauen. Alle sind komplett fertig aber froh im Hafen zu sein.