Mitten im Sperrgebiet | Blog #003

Den Haag, die Stadt des Internationalen Gerichtshof der UN, wird morgens um elf Uhr verlassen und wir versuchen bis nach Calais zu kommen. Ein perfekter Segeltag, in den ersten zwei Stunden kommen wir 14 Seemeilen vorwärts. Natürlich hat die Freude ein schnelles Ende und der Wind verschwindet auf einmal. Wir fahren unter Motor in einen wunderschönen Sonnenuntergang bei Spiegelglattem Wasser. Die Nacht wird nochmal spannend gemacht durch ein halb durchdachtes Manöver. Links von uns ein großer Windpark – klar, da nicht durchfahren. Rechts von uns eine hohe Ölplattform – lieber ein bisschen Abstand halten. Dazwischen – 5 Seemeilen freies Meer, also einfach durch da, oder? Falsch. Wir sehen schon kurze Zeit später ein Motorboot mit Warnlicht auf uns zuflitzen. Über Funk wird uns mitgeteilt, dass wir uns mitten im Sperrgebiet befinden und sofort umdrehen sollen. Dazu sagt man doch nicht nein. Wir bekommen eine persönliche Eskorte aus dem Gebiet und setzen unseren Kurs wieder auf Calais. Am frühen Morgen erreichen wir den Zielhafen in Frankreich.
Nach einem teils durch Unwissenheit gezwungenem zwei-Tages-Aufenthalt in der Marina geht’s weiter an der Französischen Küste. Nach wenigen Seemeilen merken wir jedoch, dass die Strömung stärker ist als gedacht. Gegen drei Knoten Strömung können wir nicht ankämpfen. Wieder zurück in den Hafen? Neee. Das schöne am Segeln ist, man kann hin fahren wo immer man will. Also warum nicht nach England übersetzen? Der Britische Yacht- und Fährhafen von Dover ist nur 23 Seemeilen von Calais entfernt. Gegen Abend kommen wir der Englischen Küste näher und massive Felswände aus Kalkstein ragen aus dem Meer empor. Es ist ein schöner Hafen, alte Mauern führen einen wie in einem Labyrinth zum weiter hinten gelegenen Yachthafen.
Wir haben einen wunderschönen nächsten Tag mit viel warmen Sonnenschein, jedoch fehlt der Wind und den Motor wollen wir nicht schon wieder anwerfen. Dann halt Ankern. Mit einer tollen Kulisse warten wir auf den Wind der uns weiter Richtung Westen tragen soll. Es steht mal wieder eine lange aber entspannte und ruhige Nacht an. Ein heller Mond und unzählige Sterne begleiten uns auf dem Weg in Richtung Isle of Wight.
Wir entscheiden uns am nächsten Tag in die Haslar Marina in Gosport ein zu laufen. Es ist schwerer als es sich anhört. Da der Hafen sich in einer Bucht befindet herrscht eine sehr starke Gezeiten-Strömung, blöderweise genau jetzt die stärkst Mögliche. Eine halbe Stunde lang muss unser armer Motor auf Vollgas arbeiten, das tat im Herzen weh und es roch auch nicht ganz so gut.
In einem super Hafen sind wir! Im Marina Office begrüßt uns ein total freundlicher Mann und gibt uns Tipps zum Einkaufen und ist begeistert als wir ihm von unserem Vorhaben erzählen.