Kein Wasser unterm Boot | Blog #007

Es gibt einen Ausblick. Mit Glück kommen wir in den nächsten Tagen aus dem Hafen. Laut Wetterbericht sollen die Wellen von Tag zu Tag kleiner werden, auch der Wind soll abnehmen. Endlich. Auch wenn der Hafen und die Stadt nicht wirklich hässlich sind, wollen wir weg. Die Hauptstadt Lissabon ist dann doch attraktiver als so ein verschlafenes Städtchen.

Während wir auf bessere Zeiten warten haben wir unsere ersten Freunde gefunden. Ein älteres Pärchen aus Dänemark, Karl und Aga. Sie leben seit neun Jahren auf ihrem 11 Meter Segelboot, waren aber noch nie wirklich segeln. Bis sie sich vor einigen Monaten für eine Weltumsegelung entschieden. Wir lachen, das erinnert an uns selbst. Kaum Ahnung aber große Ziele. Wir quatschen über unsere Erlebnisse während einer Runde Bier, gelacht wird viel.

Es ist Mittwoch der 14. November. Tom und Vince schlafen noch tief, Tim kommt gerade vom Strand zurück und man kann ein leichtes Lächeln erkennen. Vielleicht können wir sogar heute schon los – kleine Wellen und guter Wind. Ein bisschen spontan brechen wir noch Mittags auf, schnell auftanken und los gehts. Wo vor ein paar Tagen noch riesige Brecher in die Hafeneinfahrt geschwappt sind, sind es jetzt nur noch kleine, gleichmäßige Wellen. Trotzdem schaukelt die Eira hin und her, zwei Meter gehts noch hoch und runter. Euphorisch und munter gehts raus aufs Meer, mit 6 Knoten rasen wir in den roten Sonnenuntergang. Die Nacht bricht schnell an obwohl es erst 20 Uhr ist, Tausende von Sterne kommen zum Vorschein und der Mond liegt sichelförmig am Horizont.

Anscheinend haben wir uns zu viel über den Wind gefreut, denn der ist nun weg. Das laute Brummen des Motors bringt immer so eine Hektik mit sich, bei der kaum einer schlafen kann – außer Tom, der schläft wie ein Stein. Alles wackelt hin und her und man liegt wie in einem Delirium in seinem Bett und döst vor sich hin. Man ist direkt froh, wenn seine Nachtschicht beginnt. Der nächste Tag ist dann auch immer total trist, aber komischerweise kann man an Deck, wenn die Sonne einem ins Gesicht scheint, besser schlafen.

Die letzen Seemeilen werden teilweise unter Segel gefahren, bis wir endlich in der Flussmündung des Rio Tajo ankommen. Dort befindet sich die 2,8 Millionen-Einwohner Stadt Lissabon. In einem wunderschönem, orangenem Licht gleiten wir die letzen Meilen an der Strandpromenade entlang und staunen über monumentale Bauwerke. „Da, die Golden Gate Bridge“. Fast so beeindruckend wie das eigentliche Wahrzeichen von San Franzisko erstreckt sich die Ponte 25 de Abril mit mehr als zwei Kilometer über den Fluß und verbindet in Nord-Süd-Richtung Lissabon mit der Stadt Almada.

Unsere Nächtigungsstätte wird die Marina in dem Stadtteil Alcântara sein. Bei Dunkelheit kommen wir im Hafen an, müssen zwar kurz nach einem Anlegeplatz suchen, finden dann aber direkt in der Mitte einen.  Wir gehen gleich mit allen Papieren zum Hafenmeister. Auch wenn man noch in der EU ist, muss man alles vorzeigen, also Reisepass, Schiffspapiere, Versicherungsbescheinigung, … . Leider müssen wir erfahren, dass wir nicht lange bleiben können, da der Hafen komplett ausgebucht ist. Ist für uns aber nicht weiter schlimm, weil wir sowieso einen großen Kran brauchen der uns aus dem Wasser heben kann. Denn unsere Eira wird nun für ein paar Tage auf dem Trockenen auskommen müssen.

Nach viel herum telefonieren können wir einen Termin ausmachen zum heraus Kranen, der Hafen ist nur ein paar Seemeilen weiter. Um 9 Uhr morgens sollen wir dort sein. Also gehts am Freitag den 16. um 7 Uhr in der Früh zu dem besagten Hafen. Wir legen an einem kleinen Wartesteg an und quatschen kurz mit dem Kranmeister. Total netter Typ, der wahrscheinlich bemerkt, dass es unser erstes mal ist. Laut ihm ist das alles ganz einfach: wir sollen rückwärts in die fünf Meter breite Bucht fahren und dann das Boot versuchen still zu halten. So locker wie er das gesagt hat, klappt es dann leider doch nicht. Die Wellen sorgen für eine starke Strömung, die das Boot hin und her schmeißt. Während Tim am Steuer ist versuchen alle anderen das Boot fern von den Betonwänden links und rechts zu halten. So ein 16 Tonnen Ding lässt sich aber nur schwer mit Muskelkraft verschieben. Nach 10 Minuten Gewackel ruft der Kranmeister zu uns runter, wir sollen da raus und es in ein paar Stunden nochmal versuchen.

Nach etwa 3 Stunden kommt der neue Anlauf. Das Wasser ist merklich ruhiger geworden, vielleicht klappt’s ja jetzt. Wir manövrieren das Schiff wieder Rückwärts in die Bucht, unter dem Boot die Tragegurte des Krans. Es ist jetzt viel entspannter – kaum sind wir drin, schon fängt der Kran an zu ackern und zieht uns hoch. So hoch war die Eira schon lange nicht mehr. Erleichterung und Freude bei uns. Unsere Dame wird über den großen, leeren Platz gefahren und auf 6 Stützen abgestellt. Ist ein ziemlich massives Ding, mit dem wir uns hier fortbewegen. Der Rumpf sieht soweit gut aus, es haben sich aber viele kleine Blasen, gefüllt mit Salzwasser, gebildet die weg müssen. Nach langer Zeit wird mal wieder richtig gewerkelt – das Unterwasserschiff wird von Muscheln gesäubert, die Bläschen abgeschliffen, eine neue Grundierung aufgetragen und mit mehreren Schichten Antifouling bestrichen. Leider gab es den Farbton rot nichtmehr, deswegen mussten wir schwarz nehmen, die Meinungen gehen eher auseinander.

Außerdem sind wir jetzt um zwei Seeventile reicher. Eins für die Entsalzungsanlage und eins bei der Spüle, damit man mit Salzwasser abwaschen kann. Das ist ziemlich praktisch bei längeren Strecken.