Gefangen im Hafen | Blog #006

Nach dem uns der nette Hafenmeister von Muros geraten hat am 30. aufzubrechen, da das schlechte Wetter dann vorbei sei, befolgen wir diesen Rat. Die nächsten zwei Tage sind ziemlich Trüb, ständig hängen dicke Wolken über dem Wasser und der Nieselregen verdirbt uns die Laune. So haben wir uns Spanien nicht vorgestellt, wir sind aber auch etwas spät dran für das schöne Sommerwetter. Am Mittwoch kommen wir spätnachmittags in der Marina von Baiona an. Es sieht so aus als werden wir hier ein paar Tage verbringen, nicht wegen der schönen Stadt aber wegen dem Wind, denn wir brauchen Nordwind um bis nach Portugal zu kommen. Baiona ist der letzte Hafen an Spaniens Küste. Da heute Halloween ist wollen wir am Abend mal in die nächst größere Stadt fahren und in eine Bar schauen. Der letzte Bus fährt um 22 Uhr, knapp eine halbe Stunde sind wir unterwegs. Vigo ist mit 400.000 eine Großstadt für uns „Landkinder“.

Nach einer langen Nacht geht’s am Abend weiter nach Süden, der Wind ist top, die Leinen werden los gemacht und die Segel gleich gesetzt. Es ist schon stockdunkel, für uns eher unangenehm in die Nacht hinein zu segeln. Etwa eine Seemeile aus dem Hafen raus merken wir dass der Wind stärker ist als gedacht. Die Eira liegt ziemlich schräg drin obwohl nur die Fock ausgerollt ist! Mit stolzen sieben Knoten „fliegen“ wir in die Dunkelheit hinaus. Einerseits sind wir erstaunt, wie gut wir bei einem Halbwindkurs performen, andererseits haben wir auch ein mulmiges Gefühl, da hohe Wellen über das Vordeck schwappen. Nach kurzer Besprechung entscheiden wir uns wieder umzudrehen. Die Zeit drängt noch nicht so sehr, dass wir unnötige Risiken eingehen müssen. Der Wind wird immer stärker, es sind  schon knappen 30 Knoten und jetzt fängt es auch noch an zu regnen. Nach einem gescheiterten Ankermanöver (der Untergrund war zu sandig, deswegen hat der Anker nicht gehalten) legen wir in einer Box an. Der Regen peitscht ins Gesicht, man versteht kaum ein Wort und die Laune sinkt stetig. Endlich ist das Boot fest und wir können unter Deck ins trockene. Für uns geht’s schnell ins Bett, weil wir morgen früh los wollen.

Wir haben die Bucht verlassen und Kurs auf den nächsten Hafen gesetzt. Schon nach 15 Seemeilen sind wir über die portugiesische Grenze. Diesmal ist der Wind zu schwach. Der Motor läuft jetzt schon seit Anfang an und das Gebrumme geht jedem auf die Nerven. Auf einmal ruft Vince wir sollen unbedingt hoch kommen. Wir haben ein bisschen Angst, dass schon wieder was kaputt ist aber kaum aus dem Niedergang rausgeschaut, sehen wir unzählige Delfine aus dem Wasser springen. Eine ganze Delfinschule kommt auf uns zu geschwommen, hunderte kreuzen unseren Weg und sind so freundlich, dass sie uns ein Stück begleiten. Obwohl wir jetzt schon ein paar mal Delfine gesehen haben ist es immer wieder atemberaubend. Delfine zählen zu den intelligentesten Tieren, da sie ein sehr komplexes Gehirn besitzen. Manchmal hat man wirklich das Gefühl, die Tiere würden einen in die Augen schauen wenn sie unter einem schwimmen.

Die Nacht kommt schnell und uns erwartet eine weitere Überraschung. Das Wasser glitzert mal wieder wegen der fluoreszierenden Algen und einzelne Delfine rasen durchs Wasser. Sie ziehen meterlange leuchtende Streifen hinter sich her, da sie die Algen hinter sich aufwirbeln. Das erinnert ein bisschen an den Film „Life of Pi“

Der Wind ist noch immer nicht gekommen, also steuern wir die nächste Marina an, die Stadt heißt Figueira da Foz. Nach einer kleinen Erkundungstour fällt uns auf, dass die Stadt ziemlich herunter gekommen ist. Lauter verlassene Häuser, viele Ruinen, mehrere umgeknickte Laternenmasten. Es ist schon dunkel und wir sehen am Ende der Barmeile ein helles Gebäude. Je näher wir kommen desto mehr blendet es. Es ist ein riesiges Casino. Ein massiver Glasklotz. Wir können nicht anders und werfen einen blick rein. Hohe Säle, gefüllt mit Menschen die vor Automaten ihr Glück erhoffen. Ein wenig geschockt sind wir schon beim rausgehen. Das Casino zieht die Einheimischen an wie ein Magnet. Vielleicht ist die Stadt deswegen so verlassen.

Nun sind wir schon seit fast einer Woche gefangen im Hafen, weil riesige Wellen die Ausfahrt unmöglich machen. Das Wetter wird immer schlechter, es Regnet teilweise den ganzen Tag und dunkle Gewitterwolken blockieren das Tageslicht. „You will not make it“ sagt der Hafenmeister als wir ihn fragen, ob es morgen besser aussieht. Jeden Tag wird die Langeweile größer, man kann bei so verregneten Tagen eben nicht viel machen.

Sonntag zeigt sich endlich die Sonne. Es ist zwar nicht unbedingt wärmer, aber alleine schon das es heller ist macht bessere Laune. Wir packen unsere aufblasbaren SUP’s ein und machen uns auf den Weg zum Strand. Der Strand erstreckt sich mehrere Kilometer in beide Richtungen. Schon vom Wasser aus sahen wir das fast die ganze Küste Portugals aus Strand besteht. Die Wellen sind aber immer noch riesig. Massive Mauern aus Wasser schlagen auf den Sand und ziehen Unmengen von Sand ins Meer. Mit dem Surfen wird das wohl nix. Das Meer ist auch viel zu kalt dafür. Wir haben uns von den Wellen noch ein bisschen anspülen lassen und sind mit den Boards auf den Brechenden Wellen an den Strand geritten.