Endlose Probleme | Blogpost #015

Wow. Wir dachten die Dieselpest wäre unser schlimmster Feind gewesen, aber nein, etwas viel größeres bereitet uns Probleme.

Nachdem wir in Kuba eine tolle Zeit mit Tim’s Verwandten hatten ging’s mitsamt Tim’s Bruder Marian, dessen Freundin Leni und unserem Kumpel Jannes nach Jamaika. Schon bei einem kleinen Testtörn hat sich gezeigt, die drei sind ein bisschen wackelig auf den Beinen. Was soll’s, sind ja nur zwei Tage auf dem Wasser.

Für uns sind es auch bloß zwei Tage entspanntes Segeln, nur unsere Gäste haben da ein paar Schwierigkeiten. Noch vor Aufbruch werden die ersten Präventionen unternommen und die Seekrankheits-Bändchen aus dem Rucksack gekramt. Mit gutem Gewissen geht es raus auf die See, die ersten Stunden noch unter Motor und vor lauter Beschäftigung mit dem neuen Angelequipment wird erst garnicht an das Geschaukle gedacht. Doch gegen Abend, als die Sonne und der Horizont ein farbliches Spektakel zaubern, da merkt man erst wie sehr die Eira doch wackelt. Die harten Geschütze werden ausgepackt: Übelkeitspflaster! Bald sitzen nur noch wir Jungs im Cockpit und bestaunen den tiefen Sternenhimmel während der Rest seelenruhig schläft.

Um 12 Uhr des nächsten Tages ist die neue Insel in Sicht, Jamaika, berühmt ist sie hauptsächlich wegen der Legalisierung von Kannabis, jedoch hat sie so viel mehr zu bieten als das. Im kleinen Hafen von Port Antonio immigrieren wir in das Land ein, eine gehasste Prozedur von Langfahrtenseglern. Als würde es nicht reichen alle Daten der Crew auf einem Blatt abzugeben, nein, man muss gleich auf fünf verschiedenen Zetteln die selben Informationen eintragen.

Da die Stadt nicht sehr viel zu bieten hat, hält es uns auch nicht lange dort. Nach zwei Tagen geht es weiter, das Ziel ist Ocho Rios, auf GoogleMaps sah das ziemlich vielversprechend aus. Wir machen uns also auf die Socken, passieren die enge Ausfahrt unserer Ankerbucht und kämpfen gegen harten Gegenwind an, doch auf einmal passiert es.

„Der Motor ist aus!“ schreit Tom übers Deck und denkt gleich an die Dieselpest. Nichtmal 50 Meter sind es links und rechts bis Land kommt, der Wind presst uns mit unglaublichen Druck nach hinten. Trotzdem wissen wir gleich was Sache ist, die Fock wird sofort heraus gezogen um zurück in die Bucht zu fahren und unter Segeln zu Ankern. Hat geklappt! Wir sind ein bisschen stolz auf uns, doch der Stolz verfliegt gleich wieder als die Frage aufkommt „Was ist jetzt mit dem Motor los?!“.

Die Dieselpest wird (leider) schnell ausgeschlossen, die Spritzufuhr sieht in Ordnung aus. Tim fällt auf, dass der Motor viel zu heiß ist, er versucht den Motor an der Kurbelwelle zu drehen und nichts bewegt sich. Wie ein Schlag ins Gesicht trifft einen die Realisation, dass der Motor mit einer guten Wahrscheinlichkeit komplett kaputt ist wegen eines Kolbenfressers. „Der darf nicht kaputt sein“.

Wir sind ziemlich am Boden, der Hafenmeister gibt uns den Kontakt eines guten Mechanikers und nach einem schnellen Telefonat ist abgemacht, dass dieser morgen um 10 Uhr kommt.

Shawn ist extra von der 2 Stunden entfernten Hauptstadt Kingston angereist, da der Hafenmeister meinte, jeder Jamaikaner den wir fragen wird sagen, er kann unseren Motor reparieren, aber nur wenige können es wirklich.

Unsere drei Begleiter verlassen uns leider hier, sie haben sich ihren Urlaub anders vorgestellt, ohne tagelangem Motorreparieren. Aber das ist nunmal eine Weltumsegelung.

Nachdem wir Shawn zuschauen wie er unseren Perkins komplett auseinander nimmt haben wir ein gutes Gefühl. Denn auf die Frage, woher er wüsste, welche Schraube wohin gehören, nachdem er alle in eine Box schmeißt antwortet er ganz lässig: „Die haben doch unterschiedliche Größen“.

Nach zwei Arbeitstagen ist der Motor erstaunlicher Weise wieder ganz und wir machen den Test. Wow, er läuft wirklich wieder! Und zwar ohne Probleme! Wie hat Shawn das nur geschafft? Es lag an einem kleinen Teil in der Kurbelwelle welches gebrochen war und somit den gesamten Motor zum Stilstand brachte.

Gut gelaunt lichten wir am nächsten Tag den Anker und wagen uns durch die selbe Engstelle, diesmal problemlos.

Mit einem Zwischenstopp kommen wir am Mittwoch in Ocho Rios an. Die Ankerbucht ist umgeben von einem riesigen Korallenriff, welches man weit umgehen muss. Etwa eine Meile vor der Einfahrt werfen wir den Motor an, doch es kommt nur ein leises rattern des Anlasser. Was ist denn jetzt schon wieder?! Okay dann eben wieder unter Segeln Ankern, das können wir ja jetzt. Es gibt zwei Ankerspots, eine Windgeschützte Bucht und eine zum Wind hin gerichtete, die jedoch sehr klein und eng ist. Gezwungenermaßen müssen wir letzteres nehmen, damit wir noch Wind in den Segeln haben. Tom kommt auf die geniale Idee, den Batterieknochen umzulegen. Falls die Anlasserbatterie keinen Saft mehr hat wird dadurch auf die Verbraucherbatterien zugegriffen. Und es klappt! Der Motor läuft und bringt uns mit einem mulmigen Gefühl zum Ankerspot.

So ein stressiges Manöver hatten wir wahrscheinlich noch nie, darauf hocken wir uns erstmal in eine Bar und entspannen.

Nach zwei Tagen in der wirklich schönen Stadt Ocho Rios wollen wir weiter nach Montego Bay, wo wir Toms Elter treffen. Aber wer hätte es gedacht, natürlich macht uns der Motor einen Strich durch die Rechnung. Es kommt Wasser aus dem Zylinderkopf! Langsam ist’s wirklich nicht mehr lustig.

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