Die längste Fahrt ohne Land in Sicht | Blog #004

Nach dem wir uns für ein paar Tage die Stadt angeschaut haben heißt es nun wieder Abschied nehmen von England. Wir haben gemerkt dass die Briten sehr freundlich gegenüber Neuen und auch beim feiern gehen lustige Menschen sind.
Am Sonntag den 14. Oktober brechen wir auf und setzen Kurs auf die Kanalinseln, eine Inselgruppe zwischen Frankreich und England, die aber einen eigenständigen Staat bilden. In Saint Peter Port auf Guernsey komme wir Montag Vormittag nach einer ziemlich anstrengenden Nacht an. Um einiges schneller als wir dachten. 30 Knoten Rückenwind sind einfach praktisch. Ein gemütlich kleiner Hafen, drum herum ein städtisches Gewusel was wieder ein bisschen Schwung in den manchmal tristen Alltag bringt. Die Stadt liegt auf einem kleinen Hügel und die vielen alten Steinhäuser machen eine angenehme Atmosphäre. Die nächste Etappe geht bis nach Brest, eine für Segler bekannte französische Hafenstadt, da von dort aus viele die Bucht von Biskaya überqueren. Dazu gehören auch wir.
Donnerstag Abend in Brest noch schnell beim Wetterdienst durchrufen um sicher zu gehen, dass uns keine böse Überraschung erwartet und dann abfahrt. Mit drei Tagen wird das für uns die längste Fahrt ohne Land in Sicht und für Vincent die erste Fahrt seines Lebens sein. Denn Vince ist am heutigen Tag um 12 Uhr Nachts am Flughafen angekommen und zu uns aufs Boot gestoßen, weil er wegen seinem Autoführerschein nicht von Anfang an dabei sein konnte. Es ist zwar nicht der angenehmste Start ins Segelleben aber er ist guter Dinge.
Freitag um 6 Uhr morgens geht’s los, die ersten Sonnenstrahlen zeigen sich hinter den felsigen Klippen, der Motor brummt vor sich hin und der Bug zeigt auf den offenen Nord Atlantik.
Die ersten Seemeilen müssen ohne Segel gefahren werden; der Wind spielt noch nicht mit. Nach 20 Meilen werden die Segel gesetzt und wir können mit fünf Knoten dahin schippern. Die Zeit vergeht nur langsam.
Da es nach dem kalten Norden endlich ins warme Spanien geht müssen auch unsere Haare angepasst werden. Wir haben zwar keinen Friseur an Bord aber Tim stellt sich ziemlich geschickt mit der Schere in der Hand an. Ein Campingstuhl muss als Stuhl reichen und auch sonst ist die Ausstattung unseres Friseursalons eher mager, aber die Haare von Jungs sind ja bekanntlich leicht Hand zu haben.
Die erste Nacht bricht an und die Schichten wurden schon eingeteilt. Jeder übernimmt eine 2,5-Stunden-Schicht, von 19:30 Uhr beginnend bis 10:30. Tim und Michi opfern sich und übernehmen zwei Schichten. Nachtfahrten sind zwar nicht sehr beliebt bei uns aber wenn man alleine unter dem Sternenhimmel sitzt und der Wind in den Segeln sitzt ist das schon ein beruhigendes und angenehmes Gefühl.
Am folgenden Tag werden wir von unseren Freunden den Delphinen ein Stück begleitet. Wie als würden sie sich über die Aufmerksamkeit freuen springen sie aus dem Wasser und flitzen unter unserem Boot herum. Eine Nachtfahrt mehr und ein Stückchen Näher am Zielhafen La Coruña in Nordspanien. Auch die letzten Seemeilen ziehen sich hin, sodass es schon dunkel ist bis wir ankommen. Die Stadt ist hell erleuchtet und wir sind ein bisschen froh wieder in der Zivilisation angekommen zu sein.