Category: Segeln in der Karibik

Palmen im Wind |Blogpost #013

Wir sind uns einig. Jolly Harbour auf Antigua ist einer der schönsten Marinas bisher! Zwischen etlichen vor Anker liegenden Yachten manövriert man durch die lange Hafeneinfahrt. Das Wasser leuchtet im typischen Karibikblau und die Palmen lassen ihre Wedel im Wind flattern. Das Paradies ist allgegenwärtig. Die Marina befindet sich in einer weit verzweigten Bucht die wie ein alter Baum, seine Äste in alle Richtungen streckt. Am Ufer liegen süße, bunte Häuser dicht aneinander gereiht, jedes hat seinen privaten Steg mit dem eigenen Motorboot davor liegen. Es erinnert an Venedig mit dem gewissen Karibik-flair. Hier kann man doch nur sorgenlos leben.

Das einklarieren ist diesmal auch nur halb so nervenaufreibend, wenn man die nötige Geduld mit sich bringt und sich immer klar macht, wo man denn gerade ist. Nachdem wir die Eira sicher am Steg anlegen erkunden wir ein bisschen die Marina, von der Ferne sah es ziemlich vielversprechend aus.

Auf einem Kaputten Holzsteg geht man an den vielen Yachten entlang und kommt auf einen großen Platz, drum herum viele Restaurants und Bars. Wenn es nicht so teuer wäre würden wir uns ja einen Drink genehmigen, aber die Karibik kommt ihrem Image ziemlich gut nach.

Das was das Langfahrtensegeln erst ausmacht sind die Leute die man kennen lernt. Man trifft fast nur freundliche Menschen, jeder Grüßt und man sieht in jedem Seglergesicht die Freude der Freiheit. In den Marinas kommt man dann auch oft ins Gespräch, weil jeder seine Geschichten weiter erzählen und andere an der Freude teilhaben lassen will.

Wir treffen Guido und Ebbes, zwei Segler aus Deutschland die ihr leben in der Karibik genießen. Schnell kommen wir ins Gespräch und werden auf ein oder zwei Drinks auf ihre Yacht eingeladen. Unser kaputtes Dingi wird erwähnt und wir erfahren, dass sich unsere Gastgeber vor kurzem ein neues gekauft haben. Kurz: Sie wollen uns ihren alten Honda 2,3 PS Motor schenken inklusive Schlauchboot. Das ist ja der Hammer! Genau zum richtigen Zeitpunkt, denn wer weiß wie lange unseres noch geschwommen wäre. Wir revanchieren uns mit unserem alt bekannten Chicken-Curry und laden unsere Retter zum Essen ein.

Es geht weiter zu der schönsten Karibik Insel wie uns mitgeteilt wurde. Barbuda soll der karibische Traum sein, genau wie man ihn sich vorstellt. Und wir werden kein bisschen enttäuscht. Du liegst am Strand, der überzogen von einem pinken Schimmer ist, da Millionen von winzigen Muscheln den Sand einfärben. Die Wellen spülen Sand über deine Füße und du kannst die Energie der Sonne auf deiner Haut spüren. Hinter dir weht eine leichte Brise durch die Palmenblätter. Du machst die Augen auf und merkst, dass das gerade kein Traum war, sondern wirklich wahr ist.

Die zwei Tage vergehen leider viel zu schnell und wir müssen weiter um Robin zu seinem Flug zu bringen. Sint Maarten ist durch die niedrigen Steuern bei vielen Seglern beliebt, es ist ein guter Ort um Reparaturen an seinem Boot zu machen. Die Heineken-Regatta wird aber mehreren Leuten ein Begriff sein, eines der größten Segelrennen findet Jährlich in der Simpson-Bay statt und zieht etliche Segler an.

Wir durften diesen Wahnsinn miterleben und waren überwältigt von allem. Es reihte sich die eine millionenschwere Superyacht an die nächste. Die Krönung war die SY A, mit 143 Metern die größte Segelyacht der Welt. Und weil das noch nicht genug ist, steht gleich daneben Superyacht Azzam, die größte Motoryacht der Welt. Wir genossen eine Woche den Trubel und die Feierstimmung der Insel und machen uns am Montag auf den Weg zu den British Virgin Islands. Aber nicht alleine! Auf Barbuda lernten wir vier junge Franzosen kennen, die mit ihrer gelben 10 Meter Holzyacht die Atlantikrunde machen. Wir verstanden uns auf Anhieb super und tranken das ein oder andere Bier miteinander. Auf Sint Maarten trafen wir die Jungs wieder und da wir die selbe Richtung hatten, verabredeten wir uns zu einem Rennen bis zu der holländischen Insel Jost Van Dyke. Leider können wir mit unserer etwas dickeren Eira nicht mithalten, 16 Tonnen kommen eben nur langsam in Schwung.

Wir werfen den Anker in der White Bay, eine ziemlich seichte Bucht voller Riffe und genießen den Sundowner. Lange hält uns die Insel jedoch nicht, am nächsten Tag nehmen wir abschied von unseren französischen Freunden und setzten Kurs auf Road Town, Tortola.

Man sieht der Hauptstadt an, dass sie schwer unter dem Hurrikane litt. Viele zerstörte Häuser, Unmengen von Müll und in jedem Gesicht die Wehmut und den Schmerz. Umso trauriger ist es für uns die etlichen zerstörten Segelyachten zu sehen, die langsam aber sicher auf ihren Untergang warten.

Angekommen im Paradies | Blogpost #012

Trotz der vielen Probleme die der Atlantik mit sich brachte, konnten wir schnell den Hafen auf Martinique verlassen. Der neue Baum war um einiges stabiler und massiver als der Alte, man hatte ein gutes Gefühl, dass er diesmal nicht so schnell brechen würde.

Endlich beginnt das langersehnte Buchten vor weißen Palmenstränden und in türkisem Wasser. Genau so hat man sich die Karibik vorgestellt, sich um nichts sorgen machen und von einem schönen Ankerplatz zum Nächsten zu segeln, es ist wie im Paradies, aber man kann nun mal nicht ewig im Paradies bleiben. Viele Segler warnten uns schon, denn als Weltumsegler muss man in den schönsten Buchten sein Boot reparieren, so auch unsere Eira.

In der Bucht vor Pointe-à-Pitre auf Guadeloupe macht unser Motor mal wieder schlapp, aber diesmal nicht wegen der Dieselpest. Um unsere Akkus zu laden, wollen wir den Motor anwerfen, wir bemerken aber, dass er ziemlich unrund läuft und ständig die Drehzahl ändert. Vince macht ihn vorsichtshalber wieder aus aber es tut sich lange nichts, der Motor läuft trotzdem weiter bis er langsamer wird und ausgeht. Was kann das denn nun sein? Wir probieren es ein zweites mal, dieses Mal ist es noch schlimmer, aus dem Auspuff kommt eine enorme Menge Öl heraus geschossen, ein schlechtes Zeichen. Im Motor muss ein Leck im Ölkreislauf sein, was in den Kühlwasserkreislauf läuft. Beim checken des Ölstands sprudelt uns die schwarze Flüssigkeit fast ins Gesicht, es ist viel zu viel drin. Beim zweiten Blick bemerken wir aber, dass es Öl mit etwas anderem gemischt sein muss, da es viel dünnflüssiger ist. Es stellt sich heraus, dass Diesel irgendwie in den Öltank gelaufen ist, aber wie? Tom kennt sich zwar gut mit Motoren aus, aber das scheint etwas schwieriges zu sein, deswegen fragen wir unsere Zuschauer auf Instagram nach Hilfe. Schon nach kurzer Zeit kommen etliche Nachrichten mit Tipps und Reparaturanleitungen bei uns an und wir sind einfach nur baff von der Unterstützung. Es stellt sich heraus, dass die Diesel-Hochdruckpumpe schuld sein könnte, da dort auch Diesel ins Öl gelangen könnte. Nachdem Tim gefühlt den halben Motor auseinander geschraubt hat, hatten wir endlich die Pumpe entfernt und es war eine Erlösung. Denn genau dort, wo die Pumpe von dem Motoröl umspült wird, trieft der Diesel heraus, das heißt dort ist unser Leck.

Wir suchen in der Marina nach einem Mechaniker, der uns weiterhelfen kann; vergebens. Niemand repariert Perkinsmotoren, auf Martinique soll es eine Werkstatt geben, das hilft uns aber nicht weiter. Mist! Eine Frau schreibt uns einige Adressen auf die wir in Guadeloupe abklappern sollen, vielleicht finde sich jemand der uns helfen kann. Nach langem Suchen und Fragen haben wir tatsächlich jemanden gefunden! Eine kleine Schrauberwerkstatt in der man sich vor lauter herumliegenden Ersatzteile kaum bewegen kann. In drei Tagen können wir die Pumpe wieder abholen. Besser gehts garnicht!

Tag X ist gekommen und Tim ist schon fleißig am schrauben, die Pumpe ist eingebaut, es fehlen nur noch die Einspritzdüsen. Tom sitzt oben im Cockpit und lässt den Anlasser arbeiten. Es ist immer eine Spannung in der Luft, wenn der Motor mal wieder repariert wurde. Jeder sitzt gespannt da und wartet nur auf das schnurren, wenn er endlich wieder läuft. Yess! Er läuft! Also können wir endlich aus dieser Bucht raus und weiter segeln! Am nächsten Morgen gehts gleich los, der Anker wird hoch gekurbelt und wir bewegen uns zum Ersten Mal wieder. Aber so solls nicht laufen, nicht mal 500 Meter gekommen fängt der Motor auf einmal zum pfeifen an, der Kolben scheint undicht zu sein. Das ist gerade aber echt ziemlich ungünstig, denn wir sind mitten in einem Riff, überall um uns herum ankern anderer Segelboote und wir sind quasi Manövrierunfähig. Nicht lange überlegt wird die Fock heraus geholt, eine Halse gefahren und unter Segeln den Anker werfen. Das Manöver klappt besser als gedacht und ehe wir uns versehen, liegen wir am selben Platz wie die letzten Tage. 

Aber was stimmt denn jetzt mit dem Motor nicht? Nach genauerem Betrachten stellt sich heraus, dass ein Gusseisenteil zwischen der Einspritzdüse und dem Motorblock gebrochen ist. Wir sind noch positiv gestimmt, vielleicht finden wir ja kurzfristig im Hafen einen Schweißer, der das wieder in Ordnung bringt. Tatsächlich finden wir jemanden und zwei stunden später ist das Teil frisch geschweißt wieder im Motor drin. Neuer Versuch:  Irgendwer will nicht, dass wir gehen. Das Teil ist direkt wieder gebrochen, die Schweißnaht hat nichts gebracht. Das ist typisch Segeljungs. Glück im Unglück. Tim hat die Idee, diese Unterlegscheibe einfach selbst zu bauen, wir haben die nötigen Geräte an Bord.

Es ist Sonntag Nachmittag, wir haben die Hoffnung ein bisschen aufgegeben jemals aus dieser Bucht heraus zu kommen, aber Tim kommt gerade wieder mit dem selbstgebauten Ersatzteil. Und es klappt! Der Motor läuft so gut wie noch nie! Selbst nach mehreren Stunden läuft die Kiste noch perfekt.

Man, was haben wir das Segeln vermisst! Wenn man solange auf dem Boot wie gefangen war, ist die Freiheit genießen und durch das Wasser schneiden genau das richtige. Es geht entlang der Westküste Guadeloupes zur nächsten Insel Antigua. Es macht unglaublich spaß voran zu kommen und die Landschaft an einem vorbeiziehen zu sehen.