Category: Segeln in der Karibik

Endlose Probleme | Blogpost #015

Wow. Wir dachten die Dieselpest wäre unser schlimmster Feind gewesen, aber nein, etwas viel größeres bereitet uns Probleme.

Nachdem wir in Kuba eine tolle Zeit mit Tim’s Verwandten hatten ging’s mitsamt Tim’s Bruder Marian, dessen Freundin Leni und unserem Kumpel Jannes nach Jamaika. Schon bei einem kleinen Testtörn hat sich gezeigt, die drei sind ein bisschen wackelig auf den Beinen. Was soll’s, sind ja nur zwei Tage auf dem Wasser.

Für uns sind es auch bloß zwei Tage entspanntes Segeln, nur unsere Gäste haben da ein paar Schwierigkeiten. Noch vor Aufbruch werden die ersten Präventionen unternommen und die Seekrankheits-Bändchen aus dem Rucksack gekramt. Mit gutem Gewissen geht es raus auf die See, die ersten Stunden noch unter Motor und vor lauter Beschäftigung mit dem neuen Angelequipment wird erst garnicht an das Geschaukle gedacht. Doch gegen Abend, als die Sonne und der Horizont ein farbliches Spektakel zaubern, da merkt man erst wie sehr die Eira doch wackelt. Die harten Geschütze werden ausgepackt: Übelkeitspflaster! Bald sitzen nur noch wir Jungs im Cockpit und bestaunen den tiefen Sternenhimmel während der Rest seelenruhig schläft.

Um 12 Uhr des nächsten Tages ist die neue Insel in Sicht, Jamaika, berühmt ist sie hauptsächlich wegen der Legalisierung von Kannabis, jedoch hat sie so viel mehr zu bieten als das. Im kleinen Hafen von Port Antonio immigrieren wir in das Land ein, eine gehasste Prozedur von Langfahrtenseglern. Als würde es nicht reichen alle Daten der Crew auf einem Blatt abzugeben, nein, man muss gleich auf fünf verschiedenen Zetteln die selben Informationen eintragen.

Da die Stadt nicht sehr viel zu bieten hat, hält es uns auch nicht lange dort. Nach zwei Tagen geht es weiter, das Ziel ist Ocho Rios, auf GoogleMaps sah das ziemlich vielversprechend aus. Wir machen uns also auf die Socken, passieren die enge Ausfahrt unserer Ankerbucht und kämpfen gegen harten Gegenwind an, doch auf einmal passiert es.

„Der Motor ist aus!“ schreit Tom übers Deck und denkt gleich an die Dieselpest. Nichtmal 50 Meter sind es links und rechts bis Land kommt, der Wind presst uns mit unglaublichen Druck nach hinten. Trotzdem wissen wir gleich was Sache ist, die Fock wird sofort heraus gezogen um zurück in die Bucht zu fahren und unter Segeln zu Ankern. Hat geklappt! Wir sind ein bisschen stolz auf uns, doch der Stolz verfliegt gleich wieder als die Frage aufkommt „Was ist jetzt mit dem Motor los?!“.

Die Dieselpest wird (leider) schnell ausgeschlossen, die Spritzufuhr sieht in Ordnung aus. Tim fällt auf, dass der Motor viel zu heiß ist, er versucht den Motor an der Kurbelwelle zu drehen und nichts bewegt sich. Wie ein Schlag ins Gesicht trifft einen die Realisation, dass der Motor mit einer guten Wahrscheinlichkeit komplett kaputt ist wegen eines Kolbenfressers. „Der darf nicht kaputt sein“.

Wir sind ziemlich am Boden, der Hafenmeister gibt uns den Kontakt eines guten Mechanikers und nach einem schnellen Telefonat ist abgemacht, dass dieser morgen um 10 Uhr kommt.

Shawn ist extra von der 2 Stunden entfernten Hauptstadt Kingston angereist, da der Hafenmeister meinte, jeder Jamaikaner den wir fragen wird sagen, er kann unseren Motor reparieren, aber nur wenige können es wirklich.

Unsere drei Begleiter verlassen uns leider hier, sie haben sich ihren Urlaub anders vorgestellt, ohne tagelangem Motorreparieren. Aber das ist nunmal eine Weltumsegelung.

Nachdem wir Shawn zuschauen wie er unseren Perkins komplett auseinander nimmt haben wir ein gutes Gefühl. Denn auf die Frage, woher er wüsste, welche Schraube wohin gehören, nachdem er alle in eine Box schmeißt antwortet er ganz lässig: „Die haben doch unterschiedliche Größen“.

Nach zwei Arbeitstagen ist der Motor erstaunlicher Weise wieder ganz und wir machen den Test. Wow, er läuft wirklich wieder! Und zwar ohne Probleme! Wie hat Shawn das nur geschafft? Es lag an einem kleinen Teil in der Kurbelwelle welches gebrochen war und somit den gesamten Motor zum Stilstand brachte.

Gut gelaunt lichten wir am nächsten Tag den Anker und wagen uns durch die selbe Engstelle, diesmal problemlos.

Mit einem Zwischenstopp kommen wir am Mittwoch in Ocho Rios an. Die Ankerbucht ist umgeben von einem riesigen Korallenriff, welches man weit umgehen muss. Etwa eine Meile vor der Einfahrt werfen wir den Motor an, doch es kommt nur ein leises rattern des Anlasser. Was ist denn jetzt schon wieder?! Okay dann eben wieder unter Segeln Ankern, das können wir ja jetzt. Es gibt zwei Ankerspots, eine Windgeschützte Bucht und eine zum Wind hin gerichtete, die jedoch sehr klein und eng ist. Gezwungenermaßen müssen wir letzteres nehmen, damit wir noch Wind in den Segeln haben. Tom kommt auf die geniale Idee, den Batterieknochen umzulegen. Falls die Anlasserbatterie keinen Saft mehr hat wird dadurch auf die Verbraucherbatterien zugegriffen. Und es klappt! Der Motor läuft und bringt uns mit einem mulmigen Gefühl zum Ankerspot.

So ein stressiges Manöver hatten wir wahrscheinlich noch nie, darauf hocken wir uns erstmal in eine Bar und entspannen.

Nach zwei Tagen in der wirklich schönen Stadt Ocho Rios wollen wir weiter nach Montego Bay, wo wir Toms Elter treffen. Aber wer hätte es gedacht, natürlich macht uns der Motor einen Strich durch die Rechnung. Es kommt Wasser aus dem Zylinderkopf! Langsam ist’s wirklich nicht mehr lustig.

Auf Zwei Rädern | Blogpost #014

Nach einer anstrengenden Überfahrt von den BVI’s in die Dominikanische Republik mit dem ständigen Brummen des Motors im Hintergrund werfen wir vor Samaná den Anker. Der erste Eindruck ist eher so naja. Total verschmutztes Wasser, in dem man nicht mal seine Füße waschen will und eine runter gekommene Stadt mit zerfallenen Häusern. Die Natur sah dafür unglaublich aus. Grün, saftig, lebhaft. Es war schon von vornherein klar, dass wir das Land erkunden wollen, also machen wir uns gleich am nächsten Tag auf den Weg um ein paar Mopeds auf zu treiben. 10$ pro Tag, 150 ccm, viel Spaß.

Wir kommen erst nachmittags los, mit dem Rucksack auf den Gepäckträger geschnallt und der Sonnenbrille im Gesicht fahren wir aus der hektischen Stadt heraus und entlang an der Küste. Ein Ziel gibts wie immer nicht; naja, viel sehen und Leute treffen wenn man so will. Der Schlafplatz für Tag 1 ist ein einsamer Strand, der nur schwer über eine Schotterpiste zu erreichen ist. Ganz wie in alten Zeiten liegen wir in unseren Schlafsäcken vor dem Lagerfeuer. Die Sonne legt sich über dem Horizont, das Wasser glitzert in einem wunderschönen rot und Pelikane fliegen durch die Szenerie. Man weiß, irgendwas hat man richtig gemacht.

Tag 2 beginnt um 7:30, die Palmen schützen uns noch vor der heißen Morgensonne, aber es ist jetzt schon unerträglich in unseren Betten. Wir wollen uns so schnell wie möglich auf die Bikes schwingen und den kühlen Fahrtwind im Gesicht spüren. Zum Frühstück halten wir an einem kleinen Straßenstand, kaufen für etwa 2$ zwei frische Ananasse und ein paar Bananen. Das Leben hier ist entspannt, die Hitze lässt erst gar kein Stress zu, wer sich hier hetzt, der macht etwas falsch. Und man merkt, es tut den Leuten gut, kein grimmiges Montag-morgen Gesicht oder ein aufgebrachtes Telefonat mit dem Chef zu sehen, viel öfter ein ‚Guten Morgen‘ über die Straße herüber rufen.

Die Straßen sind schön zu fahren, es gibt immer einen Nebenstreifen der extra für die etlichen Mopedfahrer da ist. Die Zweiräder spielen eine große Rolle in diesem Land, sie dienen nicht nur der schnellen Fortbewegung, auch sind sie ein Zeitvertreib und Beschäftigung von vielen und oft der stolze Besitz des Mannes.

Wir fahren entlang des Nationalparks ‚Las Colina‘ und machen halt in einem kleinen Bergdorf. Wir haben uns schon daran gewöhnt eine Attraktion zu sein, die Leute finden wohl den Anblick von vier weißen Jungs auf alten, klapprigen Motorrädern amüsant, genau so wie wir. Oft wird man angesprochen, was wir hier denn machen, warum wir nicht wie alle anderen Touristen in Bussen durch die Gegend fahren. „Viel Spaß noch“.

Da unsere Maschinen nicht mehr die neusten sind war uns klar, dass früher oder später etwas kaputt gehen würde. Vince Hinterreifen ist platt, ein Nagel steckt tief im Mantel. Scheiße! Wir sind irgendwo in den Bergen, die nächst größere Stadt ist viel zu weit weg und an Flickzeug haben wir natürlich nicht gedacht. Langsam schieben wir die Mopeds durch das Dorf und bekommen von allen Seiten Hilfe angeboten. Jeder der den platten Reifen sieht kommt zu uns und versucht mit Händen und Füßen uns den Weg zur nächsten Werkstatt zu erklären. Die Hilfsbereitschaft ist unglaublich! Wir stehen vor einem großem, alten Baum, darunter ist eine kleine Schrauberwerkstadt aufgebaut mit einem kleinen Blechdach und einem Feuer in der hinteren Ecke. Der Mann sieht uns und unsere Problem und ohne ein Wort zu sagen schnappt er sich seinen Schraubenschlüssel, baut den Reifen aus und flickt den Schlauch auf eine Weise wie wir es noch nie sahen. Nach etwa 15 Minuten ist alles wieder zusammen gebaut und was verlangt er? 1$. Nicht mehr, unglaublich!

Gegen späten Nachmittag kommen wir in der Hauptstadt Santo Domingo an, das Verkehrschaos  kommt uns bekannt vor. Wie in Marokko fährt jeder wie er will, Ampeln sind nur zur Deko da und die Mopedfahrer sind lebensmüde. Wir nehmen uns ein Zimmer, es ist komisch zu sagen, aber Motorrad fahren ist anstrengender als man glaubt.

Tag 3 führt uns wieder heraus aus dem städtischen Trubel und zurück aufs Land, wir haben uns Cotuí als Ziel gesetzt. Die Straßen werden kleiner und der Verkehr weniger, auf holprigen Straßen geht es durch von der Natur eroberte Gebiete. Schon während der ganzen Tour fällt uns auf, dass das Leben hier auf den Straßen statt findet. Egal zu welcher Tageszeit man unterwegs ist, man sieht immer Leute vor ihren Häusern sitzen oder Kinder auf den Wiesen spielen. Deswegen weiß auch meistens gleich das ganze Dorf bescheid was man gerade beim Minimarkt eingekauft hat; die Menschen leben noch miteinander. Wir kommen nicht ganz so schnell voran wie gedacht, da alle paar Stunden jemand einen Platten bekommt. Das ist hier aber wohl keine Seltenheit, da hinter jeder Ecke eine kleine Blechhütte steht, die wahrscheinlich nichts anderes tut als den ganzen Tag Reifen zu flicken.

Es wird schon dämmrig, der Himmel färbt sich rot und das Tageslicht verschwindet langsam hinter den Bergen, erst im Dunkeln kommen wir in der Stadt an und müssen uns gezwungenermaßen ein Hostel suchen.

Tag 4 bringt uns an die wunderschöne Nordküste des Landes. Die Straße führt durch ein enges Gebirge, es geht Bergauf und Bergab, den Palmensandstrand immer im Blick. Wir habens ein bisschen eilig, da wir um 16 Uhr die Motorräder wieder abgeben müssen,  trotzdem genießen wir die letzten Kilometer auf unseren Bikes. Schnell noch einen Blick an einen der wunderschönen Sandstrände werfen, um die Vorfreude auf die nächsten Tage unter Segeln zu steigern. Nach einer Weile kommen wir endlich wieder in die Nähe der Zivilisation, die Leute winken uns zu und lachen mit uns; Vielleicht auch über unsere kaputten Mopeds, aber sie scheinen Spaß zu haben. 12 Kilometer bis Samaná steht auf dem Straßenschild, die Straße kommt uns wieder bekannt vor. Schade, dass es schon vorbei ist, man hat sich in der kurzen Zeit ein bisschen verliebt in seinen fahrbaren Untersatz. Fast zu perfekt kommen wir um Punkt 16 Uhr in der Stadt an und stehen vor dem Verleih, nicht mal der Besitzer ist schon da. Die Abgabe war kein Problem, 2$ wollte er für zwei fehlende Muttern, sonst hatte er aber nichts zu meckern. 

Jeder war froh die Eira wieder zu sehen, es ist eben ein Zuhause geworden. 

Palmen im Wind |Blogpost #013

Wir sind uns einig. Jolly Harbour auf Antigua ist einer der schönsten Marinas bisher! Zwischen etlichen vor Anker liegenden Yachten manövriert man durch die lange Hafeneinfahrt. Das Wasser leuchtet im typischen Karibikblau und die Palmen lassen ihre Wedel im Wind flattern. Das Paradies ist allgegenwärtig. Die Marina befindet sich in einer weit verzweigten Bucht die wie ein alter Baum, seine Äste in alle Richtungen streckt. Am Ufer liegen süße, bunte Häuser dicht aneinander gereiht, jedes hat seinen privaten Steg mit dem eigenen Motorboot davor liegen. Es erinnert an Venedig mit dem gewissen Karibik-flair. Hier kann man doch nur sorgenlos leben.

Das einklarieren ist diesmal auch nur halb so nervenaufreibend, wenn man die nötige Geduld mit sich bringt und sich immer klar macht, wo man denn gerade ist. Nachdem wir die Eira sicher am Steg anlegen erkunden wir ein bisschen die Marina, von der Ferne sah es ziemlich vielversprechend aus.

Auf einem Kaputten Holzsteg geht man an den vielen Yachten entlang und kommt auf einen großen Platz, drum herum viele Restaurants und Bars. Wenn es nicht so teuer wäre würden wir uns ja einen Drink genehmigen, aber die Karibik kommt ihrem Image ziemlich gut nach.

Das was das Langfahrtensegeln erst ausmacht sind die Leute die man kennen lernt. Man trifft fast nur freundliche Menschen, jeder Grüßt und man sieht in jedem Seglergesicht die Freude der Freiheit. In den Marinas kommt man dann auch oft ins Gespräch, weil jeder seine Geschichten weiter erzählen und andere an der Freude teilhaben lassen will.

Wir treffen Guido und Ebbes, zwei Segler aus Deutschland die ihr leben in der Karibik genießen. Schnell kommen wir ins Gespräch und werden auf ein oder zwei Drinks auf ihre Yacht eingeladen. Unser kaputtes Dingi wird erwähnt und wir erfahren, dass sich unsere Gastgeber vor kurzem ein neues gekauft haben. Kurz: Sie wollen uns ihren alten Honda 2,3 PS Motor schenken inklusive Schlauchboot. Das ist ja der Hammer! Genau zum richtigen Zeitpunkt, denn wer weiß wie lange unseres noch geschwommen wäre. Wir revanchieren uns mit unserem alt bekannten Chicken-Curry und laden unsere Retter zum Essen ein.

Es geht weiter zu der schönsten Karibik Insel wie uns mitgeteilt wurde. Barbuda soll der karibische Traum sein, genau wie man ihn sich vorstellt. Und wir werden kein bisschen enttäuscht. Du liegst am Strand, der überzogen von einem pinken Schimmer ist, da Millionen von winzigen Muscheln den Sand einfärben. Die Wellen spülen Sand über deine Füße und du kannst die Energie der Sonne auf deiner Haut spüren. Hinter dir weht eine leichte Brise durch die Palmenblätter. Du machst die Augen auf und merkst, dass das gerade kein Traum war, sondern wirklich wahr ist.

Die zwei Tage vergehen leider viel zu schnell und wir müssen weiter um Robin zu seinem Flug zu bringen. Sint Maarten ist durch die niedrigen Steuern bei vielen Seglern beliebt, es ist ein guter Ort um Reparaturen an seinem Boot zu machen. Die Heineken-Regatta wird aber mehreren Leuten ein Begriff sein, eines der größten Segelrennen findet Jährlich in der Simpson-Bay statt und zieht etliche Segler an.

Wir durften diesen Wahnsinn miterleben und waren überwältigt von allem. Es reihte sich die eine millionenschwere Superyacht an die nächste. Die Krönung war die SY A, mit 143 Metern die größte Segelyacht der Welt. Und weil das noch nicht genug ist, steht gleich daneben Superyacht Azzam, die größte Motoryacht der Welt. Wir genossen eine Woche den Trubel und die Feierstimmung der Insel und machen uns am Montag auf den Weg zu den British Virgin Islands. Aber nicht alleine! Auf Barbuda lernten wir vier junge Franzosen kennen, die mit ihrer gelben 10 Meter Holzyacht die Atlantikrunde machen. Wir verstanden uns auf Anhieb super und tranken das ein oder andere Bier miteinander. Auf Sint Maarten trafen wir die Jungs wieder und da wir die selbe Richtung hatten, verabredeten wir uns zu einem Rennen bis zu der holländischen Insel Jost Van Dyke. Leider können wir mit unserer etwas dickeren Eira nicht mithalten, 16 Tonnen kommen eben nur langsam in Schwung.

Wir werfen den Anker in der White Bay, eine ziemlich seichte Bucht voller Riffe und genießen den Sundowner. Lange hält uns die Insel jedoch nicht, am nächsten Tag nehmen wir abschied von unseren französischen Freunden und setzten Kurs auf Road Town, Tortola.

Man sieht der Hauptstadt an, dass sie schwer unter dem Hurrikane litt. Viele zerstörte Häuser, Unmengen von Müll und in jedem Gesicht die Wehmut und den Schmerz. Umso trauriger ist es für uns die etlichen zerstörten Segelyachten zu sehen, die langsam aber sicher auf ihren Untergang warten.

Angekommen im Paradies | Blogpost #012

Trotz der vielen Probleme die der Atlantik mit sich brachte, konnten wir schnell den Hafen auf Martinique verlassen. Der neue Baum war um einiges stabiler und massiver als der Alte, man hatte ein gutes Gefühl, dass er diesmal nicht so schnell brechen würde.

Endlich beginnt das langersehnte Buchten vor weißen Palmenstränden und in türkisem Wasser. Genau so hat man sich die Karibik vorgestellt, sich um nichts sorgen machen und von einem schönen Ankerplatz zum Nächsten zu segeln, es ist wie im Paradies, aber man kann nun mal nicht ewig im Paradies bleiben. Viele Segler warnten uns schon, denn als Weltumsegler muss man in den schönsten Buchten sein Boot reparieren, so auch unsere Eira.

In der Bucht vor Pointe-à-Pitre auf Guadeloupe macht unser Motor mal wieder schlapp, aber diesmal nicht wegen der Dieselpest. Um unsere Akkus zu laden, wollen wir den Motor anwerfen, wir bemerken aber, dass er ziemlich unrund läuft und ständig die Drehzahl ändert. Vince macht ihn vorsichtshalber wieder aus aber es tut sich lange nichts, der Motor läuft trotzdem weiter bis er langsamer wird und ausgeht. Was kann das denn nun sein? Wir probieren es ein zweites mal, dieses Mal ist es noch schlimmer, aus dem Auspuff kommt eine enorme Menge Öl heraus geschossen, ein schlechtes Zeichen. Im Motor muss ein Leck im Ölkreislauf sein, was in den Kühlwasserkreislauf läuft. Beim checken des Ölstands sprudelt uns die schwarze Flüssigkeit fast ins Gesicht, es ist viel zu viel drin. Beim zweiten Blick bemerken wir aber, dass es Öl mit etwas anderem gemischt sein muss, da es viel dünnflüssiger ist. Es stellt sich heraus, dass Diesel irgendwie in den Öltank gelaufen ist, aber wie? Tom kennt sich zwar gut mit Motoren aus, aber das scheint etwas schwieriges zu sein, deswegen fragen wir unsere Zuschauer auf Instagram nach Hilfe. Schon nach kurzer Zeit kommen etliche Nachrichten mit Tipps und Reparaturanleitungen bei uns an und wir sind einfach nur baff von der Unterstützung. Es stellt sich heraus, dass die Diesel-Hochdruckpumpe schuld sein könnte, da dort auch Diesel ins Öl gelangen könnte. Nachdem Tim gefühlt den halben Motor auseinander geschraubt hat, hatten wir endlich die Pumpe entfernt und es war eine Erlösung. Denn genau dort, wo die Pumpe von dem Motoröl umspült wird, trieft der Diesel heraus, das heißt dort ist unser Leck.

Wir suchen in der Marina nach einem Mechaniker, der uns weiterhelfen kann; vergebens. Niemand repariert Perkinsmotoren, auf Martinique soll es eine Werkstatt geben, das hilft uns aber nicht weiter. Mist! Eine Frau schreibt uns einige Adressen auf die wir in Guadeloupe abklappern sollen, vielleicht finde sich jemand der uns helfen kann. Nach langem Suchen und Fragen haben wir tatsächlich jemanden gefunden! Eine kleine Schrauberwerkstatt in der man sich vor lauter herumliegenden Ersatzteile kaum bewegen kann. In drei Tagen können wir die Pumpe wieder abholen. Besser gehts garnicht!

Tag X ist gekommen und Tim ist schon fleißig am schrauben, die Pumpe ist eingebaut, es fehlen nur noch die Einspritzdüsen. Tom sitzt oben im Cockpit und lässt den Anlasser arbeiten. Es ist immer eine Spannung in der Luft, wenn der Motor mal wieder repariert wurde. Jeder sitzt gespannt da und wartet nur auf das schnurren, wenn er endlich wieder läuft. Yess! Er läuft! Also können wir endlich aus dieser Bucht raus und weiter segeln! Am nächsten Morgen gehts gleich los, der Anker wird hoch gekurbelt und wir bewegen uns zum Ersten Mal wieder. Aber so solls nicht laufen, nicht mal 500 Meter gekommen fängt der Motor auf einmal zum pfeifen an, der Kolben scheint undicht zu sein. Das ist gerade aber echt ziemlich ungünstig, denn wir sind mitten in einem Riff, überall um uns herum ankern anderer Segelboote und wir sind quasi Manövrierunfähig. Nicht lange überlegt wird die Fock heraus geholt, eine Halse gefahren und unter Segeln den Anker werfen. Das Manöver klappt besser als gedacht und ehe wir uns versehen, liegen wir am selben Platz wie die letzten Tage. 

Aber was stimmt denn jetzt mit dem Motor nicht? Nach genauerem Betrachten stellt sich heraus, dass ein Gusseisenteil zwischen der Einspritzdüse und dem Motorblock gebrochen ist. Wir sind noch positiv gestimmt, vielleicht finden wir ja kurzfristig im Hafen einen Schweißer, der das wieder in Ordnung bringt. Tatsächlich finden wir jemanden und zwei stunden später ist das Teil frisch geschweißt wieder im Motor drin. Neuer Versuch:  Irgendwer will nicht, dass wir gehen. Das Teil ist direkt wieder gebrochen, die Schweißnaht hat nichts gebracht. Das ist typisch Segeljungs. Glück im Unglück. Tim hat die Idee, diese Unterlegscheibe einfach selbst zu bauen, wir haben die nötigen Geräte an Bord.

Es ist Sonntag Nachmittag, wir haben die Hoffnung ein bisschen aufgegeben jemals aus dieser Bucht heraus zu kommen, aber Tim kommt gerade wieder mit dem selbstgebauten Ersatzteil. Und es klappt! Der Motor läuft so gut wie noch nie! Selbst nach mehreren Stunden läuft die Kiste noch perfekt.

Man, was haben wir das Segeln vermisst! Wenn man solange auf dem Boot wie gefangen war, ist die Freiheit genießen und durch das Wasser schneiden genau das richtige. Es geht entlang der Westküste Guadeloupes zur nächsten Insel Antigua. Es macht unglaublich spaß voran zu kommen und die Landschaft an einem vorbeiziehen zu sehen.