Atlantik | Blogpost #011

Wie weit ist es eigentlich nach Martinique? Man kann sich das gar nicht so richtig vorstellen. 3000 Seemeilen oder 6000 Kilometer. Von daheim nach München sind es 100 Kilometer, eine Stunde dauert das etwa. Da hat man schon oft die Augen verdreht. Was soll man also bei einer Atlantiküberquerung machen? Wir wissen es jetzt: nichts. Man braucht erst garnicht versuchen sich mit irgendetwas zu beschäftigen, das ist vielleicht für die ersten drei, vier, fünf Tage ganz schön und gut, aber dann ist es auch vorbei. Und man hat noch vier mal so lange vor sich…

Die ersten Tage waren der Horror. Der Start in die Atlantiküberquerung ging mit knapp 30 Knoten Halbwind, vier Meter Welle und schlechtem Wetter los. Nach der dritten Nacht mit endloser Schaukelei und heulendem Wind sieht man in jedem Gesicht die Schlaflosigkeit und das „Was mach ich hier eigentlich?“. Mit der vollen Ölzeugmontur sitzt Tim hinter dem Steuer, die Sonne geht gerade am Horizont auf, die dichten Wolken lösen sich auf. Es kommt immer mal wieder eine Welle in das Cockpit herein geschwappt, alles ist nass. Man zuckt bei jedem Ruck ein bisschen zusammen, weil man denkt es kommt die nächste Dusche. So haben wir uns das nicht vorgestellt.

Aber was soll’s, auch das schlimmste Wetter geht einmal vorbei. Die See beruhigt sich wieder am fünften Tag und wir fahren einen angenehmen Raumkurs, man kann sogar nur in Badehose auf dem Vordeck liegen. Die gute Laune ist wieder da, wir vergessen fast, dass wir hier noch drei Wochen sitzen. Gerade wo jeder ein bisschen dahin döst, hören wir ein Geräusch,

welches einem Pusten ähnelt. Einem lautem Pusten. Kaum zu glauben aber es ist gerade wirklich ein riesiger Wal neben uns aufgetaucht! Ist das gerade wirklich passiert?? Alle springen auf, rennen auf’s Vordeck und halten Ausschau. „Da, er kommt direkt auf uns

zugeschossen!“. Was für ein Glück haben wir, dass ein 10-12 Meter langer Blauwal uns für mehrere Stunden begleitet und Kunststücke unter unserem Boot zieht! So kann die Überquerung gerne weiter gehen.
Gut geschlafen werden wir ziemlich früh von Tim geweckt. Es gibt schlechte Neuigkeiten. Das Großsegel hat einen Riss! Schei*e! Uns bleibt nicht viel übrig als es zu flicken, haben ja alles da. Wir kleben auf jede Seite einen Streifen aus Segelstoff über den Riss und vernähen die drei Schichten. Eine wahnsinns Arbeit aber gegen Abend sind wir fertig und können das Groß wieder hoch ziehen. Falls es nicht halten sollte könnten wir zur Not auf den Kap Verden Halt machen.

Die Tage gehen so dahin, die hälfte ist schon geschafft. Man ist längst in einem Rhythmus drin, einer täglichen Routine. Man steht ziemlich früh auf, weil einen die Sonne weckt, macht sich einen Tee zum wach werden, schnappt sich ein Buch oder die Gitarre und relaxt den restlichen Tag.

Wir sind uns alle einig, Segeltechnisch ist der Atlantik keine große Herausforderung. Durch den konstanten Ost-Passatwind kann man dauerhaft in der Butterfly-Stellung fahren und muss sich auch um die Windstärke nicht sorgen, wir hatten immer zwischen 17 und 25 Knoten.

Da sind wir also. 300 Meilen vor Martinique, noch knapp zwei Tage, dann ist es geschafft. Wind und Wetter sind ein bisschen schlechter geworden, es kommen immer wieder eklige Regenschauer. So sah für uns die Karibik nicht aus, da fehlt der blaue Himmel und die strahlende Sonne. Gerade wo sich alle mit einem Tee im Salon aufwärmen wechselt die Windrichtung, sodass die Segel von der falschen Seite angeweht wurden. Wir sind noch nichtmal aus dem Niedergang heraus, auf einmal kracht es. Es war so ein Krachen, bei dem man nichts gutes erhoffen konnte. Tatsächlich war es nichts gutes. Unser Großbaum ist durch den enormen Druck des Windes in zwei gebrochen. Es kam leichte Panik auf, schnell das Segel bergen und den Baum retten. Nicht einfach bei strömenden Regen, rutschigem Deck und nervigem Wellengang. In solchen Situationen merkt man, wo man gerade ist; dass Segeln nicht nur schönes Wetter, super Wind und Delphine ist.

Nachdem sich die Situation wieder beruhigt hat, haben wir die Bedeutung von „Lobt den Tag nicht vor dem Abend“ verstanden, denn der Tag war noch nicht vorbei. Mitten in der Nacht bei Michi’s Nachtschicht schlug auf einmal der Plotter Alarm. Winddaten fehlen, Ruderposition nicht vorhanden, Autopilot ausgefallen. Der Horror im ersten Momente! Der Atlantik will uns wohl doch noch auf die Probe stellen. Aber viel wichtiger: wie beheben wir das Problem wieder? Vorerst heißt es Hand ans Steuer legen, falls die Elektrik schuld ist können wir erstmal eh nicht viel daran ändern.

Die Stunden bis zum Ziel wurden kürzer, die zurückgelegten Meilen stiegen. Endlich war Land zu sehen! Zwar nicht so spektakulär, wie wir es uns vorgestellt haben, aber es war da. Es war erreichbar. Die Strände neben uns gaben uns eine Vorstellung von der bevorstehenden Zeit in der Karibik. Jetzt geht der Sommer los.

Kurz vor dem Sprung | Blog #010

Auch das Ausreisen aus Marokko war kein Problem. Es kamen wieder drei nette Herren vom Zoll zu uns aufs Boot. Vor lauter Begeisterung über unser Vorhaben haben sie ganz vergessen das Boot zu durchsuchen und wir konnten schneller als gedacht aufbrechen.

Bis zu den Kanaren sind es etwa 400 Kilometer, das könnten wir in zwei Tagen schaffen. Wir wissen noch nicht genau wohin wir wollen, deswegen setzten wir unseren Zielpunkt zwischen Fuerteventura und der Nachbarinsel Lanzarote. Das ist ja das schöne am Boot, man braucht kein exaktes Ziel, nur eine Richtung. Und was auf dem Weg dahin passiert, kann man selbst entscheiden.

Es geht also endlich wieder raus aufs Wasser, Gott sei Dank haben wir ruhiges Wetter, sonst ist das immer so ´ne Sache mit der Seekrankheit. Kaum ist man mal eine Woche auf trockenem Boden, schon hat man das Geschaukele vergessen. Wir haben aber Glück, wir sind alle ziemlich seefest.

Es geht Dienstag den 11. Dezember in die Nacht hinein, zwei Tage später ist schon wieder Land in Sicht. Die Kanaren. Man kennt den Namen gut als Urlaubsparadies. Teneriffa ist immerhin mit fast fünf Millionen Touristen die meist besuchte Insel der spanischen Inselgruppe, gefolgt von Gran Canaria. Die Kanaren sind eine der 17 Autonomen Gemeinschaften Spaniens und gehören somit politisch zu Europa, geologisch gesehen zählen sie aber zu Afrika, da sie auf dem selben Breitengrad liegen wie die Westsahara. Man kann schon verstehen, dass hier viele ihren Urlaub verbringen; immer angenehmes Klima, unglaubliche Landschaften und nicht zu teuer. In der ferne taucht zuerst die östlichste Insel, Lanzarote auf. Eine sehr kahle und trocken Landschaft, dafür tief türkises Wasser. Auf unserem Kartenplotter sehen wir eine kleine Bucht direkt zwischen den beiden Inseln. Da wollen wir hin. Da die Kanaren ein bekanntes Anlaufziel für viele Segler sind, sind wir natürlich nicht die einzigen hier. Auch hier merkt man stark den Tourismus. An dem kleinen Sandstrand sonnen sich etliche Urlauber und genießen die warme Auszeit von der kalten Heimat.

Jetzt müssen wir mal wieder runter von unsrem Kutter. Alle Mann springen mit Badehose ins Dingi und wir düsen zum Strand. Wir haben uns schon gedacht, dass das anlanden nicht leicht wird mit dem Wellengang, deswegen haben wir ja auch unsere Badehosen angezogen.

Nachdem wir eine Flaschenpost von zwei Seglern bekommen haben, die gerade Urlaub auf Fuerteventura machen, packen wir direkt unsere Sachen und fahren in den Hafen von Corraleja. Das ist schon komisch. Man stellt ein paar Videos ins Internet, reist tausende Kilometer von daheim weg, aber trifft auf den Kanaren begeisterte Zuschauer.

Wir wollen weiter Richtung Westen. Nächstes Ziel ist der Megahafen von Gran Canaria, in der Stadt La Palmas liegt die Marina. Wir bekommen gerade so den letzten Platzt, keine andere Box ist mehr frei. Gefallen tut uns der Hafen nicht, viel zu groß, viel zu viel los. Aber wir müssen hier her, es müssen noch die letzten Arbeiten vorm Atlantik erledigt werden.

Am Mittwoch den 19. geht die Arbeit los, drei Tage haben wir zeit, danach hat unsere Box jemand anderes gebucht.

Während Tim und Tom sich auf die Suche nach Holz begeben, erledigen Vince und ich den Ultra-Einkauf. Wir müssen für vier Wochen Essen und Trinken einkaufen. Klingt nicht schwer. Im Supermarkt angekommen war man dann doch eher überfordert. Man soll 25 Liter Wasser einkaufen… Die ersten zwei Einkaufswagen sind nur mit Getränken voll, das Essen kommt alles noch. Am Ende haben wir sechs Randvolle Einkaufswagen! Erstaunlicher weiße ist das für die Kassiererin ganz normal. Gut, dass der Laden einen Lieferservice hat. Kaum eine Stunde wieder auf dem Boot, schon kommen zwei Männer mit Sackkarren angestapft und laden 12 riesige Kisten voller Essen ab.

Wir treffen viele Leute hier. Viele Langfahrtensegler aus den verschiedensten Ländern, die genau das selbe machen wie wir. Aber wir treffen auch viele Hitchhiker. Junge Erwachsene die nach ihrem Studium die Welt sehen wollen. Eigentlich auch das selbe wie wir. Auf jeden Fall wollen sie per Anhalter herum reisen. Nicht mit dem Auto sondern mit einem Boot. Wir hätten gerne jemanden mit genommen, aber wir wollten nicht mit unserer Segelerfahrung die Verantwortung für jemand anderen tragen.

Wir haben alles fertig bekommen. Jetzt hat die Eira ein neues Bett, einen Tisch im Cockpit und hinter jeder Schranktür ist Essen.

Von Gran Canaria gehts nach La Gomera. Angeblich eine wunderschöne Insel. Wir steuern den Hafen in San Sebastian an. Der Erste mit dem wir reden ist Österreicher, wir denken uns wie lustig, ausgerechnet hier trifft man einen von daheim. Noch am selben Tag stellt sich heraus, dass so ziemlich jeder hier aus Deutschland oder Österreich ist.

Weihnachten steht vor der Tür. Bei den Segeljungs läuft Last Christmas von Wham, aus der Küche duftet es so, wie es daheim an Weihnachten immer riecht. Es gibt Hühnchen.

Am Abend kommen noch unsere netten Nachbarn vorbei und schenken uns was kleines. Ein Paar Steuerbord- Backbordsocken, wie geil!

Die Weihnachtsstimmung ist vorbei und wir verlassen den Hafen, aber nicht die Insel. Uns wurde nämlich gesagt, wir müssten unbedingt den Nationalpark Garajonay besuchen. Wir lassen unser Schiff im Westen der Insel stehen, in der Minimarina von Valle Gran Rey. 

Wir sind so frei und mieten uns ein Mietauto, hätten wir das nicht gemacht, hätten wir wirklich was verpasst.

Die Insel ist ein einziger Berg. Es geht enge Passstraßen hinauf. Durch einen grünen Jungel wo die Bäume bis in die Straße herein hängen, wo man Angst haben muss, dass gleich ein Affe auf dich zu springt. Die Natur verändert sich ständig, auf einmal ist man in einem Wald voller blätterlosen Bäumen, alles sieht verbrannt aus. Die Straße geht weiter. Hinter der nächsten Kurve taucht auf einmal ein riesiger Gesteinsbrocken auf. Ist man jetzt in Kanada? Felsige Landschaften und Nadelbäume. Wie gern wir die Insel per Fuß durchquert hätten, aber der Atlantik wartet geduldig und einige Sachen müssen noch erledigt werden.

Quer durch Marokko | Blog #009

Gerade so passen wir in das kleine, weiße Auto. Erst mal raus aus der Stadt. Der Verkehr ist eher gewöhnungsbedürftig. Gefühlt fährt jeder wie er will, auch Fahrbahnbegrenzungen gibts nicht wirklich. Ab und zu trifft man auf Esel, die riesige Karren voller Obst und Gemüse ziehen müssen. Man merkt, dass die Armut das Land beherrscht, trotzdem scheint das warme Wetter die Leute bei Laune zu halten.

Langsam kommen wir raus aus dem bebauten Gebiet, vorbei an großen Plantagen sehen wir in der Ferne schon das Gebirge. Teilweise noch schneebedeckte Gipfel glänzen im Sonnenlicht. Es dauert nicht lange und alle sind sich einig: wir müssen heute unbedingt in diesem Gebirge schlafen!

Das Atlas Gebirge breitet sich von der westlichen Küste Marokkos nach Nordosten aus. Dabei trennt es das Land in zwei hälften, im Süden die Steppe, viele öde Landschaften und Beginn zur Sahara. Im Norden mehr grün, mehr Hügel und die meisten großen Städte wie Marrakech, Casablanca oder Rabat befinden sich hier.

Es ist jetzt knapp 16Uhr, wir biegen von der Hauptstraße ab und fahren Richtung Norden. Wir kennen uns ja mit Bergen aus, waren schon viel wandern in den Alpen, aber das ist doch was anderes. Der südliche Teil ist ein sehr trockenes Gebirge, viel orangenes Gestein, wenig Bäume, karge Landschaft aber trotzdem fesselnd. Es geht eine enge Bergstraße hoch, wo grad mal zwei Autos nebeneinander passen. Die Sonne legt sich langsam, jetzt strahlt alles in einem roten Licht und wir kommen gar nicht mehr aus dem Staunen raus. Hinter uns liegt ein riesiges Tal, man kann die vielen Anbaufelder genau erkennen. Vor uns warten noch einige Höhenmeter und enge Bergpässe. Langsam müssen wir uns aber einen Schlafplatz suchen, die Nacht bricht an. Da wir in Sachen Roadtrips schon erfahren sind wissen wir auch, dass man die besten Schlafplätze nur findet, wenn man die Straße verlässt – wenn man dort lang fährt, wo man angst um sein Auto haben muss; dort, wo man eigentlich nicht lang will.

Wir biegen auf eine kleine Lehmstraße ab, rechts neben uns geht es steil runter, von links könnten jeder Zeit Steine herab fallen. Hier sind wir richtig. Tatsächlich führt der Weg zu einem kleinen Bergdorf, das in die Berge eingebettet und geschützt ist. Wir stellen davor unser Auto ab und klettern einen kleinen Hügel hoch, sodass wir etwa 100 Meter höher als das Dorf sind. Hat sich gelohnt. Die letzten Sonnenstrahlen leuchten über dem Horizont, ein wunderschönes orange/rotes Licht legt sich über die Gipfel, vereinzelte Sterne tauchen auf. Aus dem Dorf hört man einen Priester seine Gebete singen und ab und zu schreit ein Esel.

Der morgen bricht an. Wir wollen das kleine Dorf anschauen. Drei kleine Jungs erwarten uns schon, sie wollen, dass wir mitkommen. Einer führt uns in ein Haus herein, wir sind zuerst ein bisschen skeptisch aber der kleine besteht darauf. Ein Mann empfängt uns herzlich, lädt uns in sein Wohnzimmer ein und tischt ein unglaubliches Frühstück auf. Wir sind total überwältigt von der Gastfreundschaft hier. Leider können wir uns nicht wirklich unterhalten, keiner von uns spricht eine gemeinsame Sprache, lachen können wir trotzdem zusammen. 

Nach ein paar Stunden Fahrt liegt Marrakech vor uns. Wir haben uns ein Riad gebucht, eine art Hostel. Direkt im Zentrum des großen Souks. Souks sind die großen Märkte in Marokko, man findet sie überall und man kann fast alles dort kaufen. Essen, Kleidung, Instrumente. Ein einziges Chaos herrscht hier, Rollerfahrer rasen durch die engen Gasen, ständiges Hupen, Mandarinenverkäufer überall. Aber es ist ein angenehmes Chaos, man wird nicht übern Haufen gefahren oder von den Menschenmassen erdrückt, alles ist so anders. An den Wänden und an den Decken hängen lange Kleider und gestrickte Wolljacken, jeder will dir was verkaufen und dir klar machen, dass das ein unschlagbarer Preis ist. Überall gibt es was zu sehen und zu kaufen. Die vielen Gewürzverkäufer verbreiten verschiedene Gerüche durch die Gassen und so schlendert man dahin, weiß nicht ganz genau was man als nächstes kaufen soll.

Alle Wege führen am Ende zu dem großen Marktplatz, dort gibt es unzählige Essensstände. Wir lassen uns von einem der Kellner anwerben und überreden in seinem Restaurant zu essen, weil „Good price“. Die Einheimischen wissen wie sie mit Touristen umgehen müssen, solange nerven bis man aufgibt, da muss man sich aber drauf einlassen. Man darf sich dadurch nicht die Laune verderben lassen, auch wenns anstrengend ist 10 mal Nein hintereinander zu sagen.

Das nächste Ziel wird Chefchaouen sein. Die blaue Stadt. Der weg dahin führt durch Steppenlandschaften wie in der Mongolei, grüne Hügel wie in Irland und Gebirgsstraßen wie in den Alpen. Die Stadt liegt im Ref-Gebirge, ein Teil des Atlasgebirges im Norden von Marokko. Von weitem kann man schon die blauen Häuser heraus stechen sehen. Chefchaouen bedeutet „zwei Hörner“ und meint damit die zwei Bergspitzen, die man von der Stadt aus sehen kann. Das Blau soll böse Blicken ablenken und somit die Einwohner schützen.

Wir lernen Hassan kennen, unser Hostelbesitzer. Ein super Typ und mit seiner Band „The Seven Doors“ auch ein kleiner Rockstar in Marokko. Er führt uns ein wenig in der Stadt rum, zeigt uns die umliegenden Berge und erklärt uns die wahre Situation in Marokko.

Auch hier gibt es einen Markt, aber ganz anders wie in Marrakech. Es ist wenig los, keine Mopeds rasen an dir vorbei und die Verkäufer sind nicht so aufdringlich. Man wandert durch die kleinen Gassen, von oben strahlt die Sonne herunter und bringt das blau links und rechts neben dir zum Leuchten. Man fühlt sich wohl hier. Wir essen ein traditionelles Gericht, ein Tajine, das ist Coucous mit verschiedenem Gemüse und Fleisch serviert in einem Tontopf.

Wir sind jetzt schon fünf Tage unterwegs, das Segeln hat man fast ganz vergessen, aber jetzt gehts wieder zurück. In Agadir angekommen sind wir gespannt ob das Boot noch da steht. Genau so wie wir es verlassen haben, liegt die Eira noch entspannt im Wasser, geduldig wie sie ist.

Die Reise nach Marokko | Blog #008

Nach all dem Arbeiten muss auch irgendwann mal gut sein. Vor allem wenn man in Lissabon ist und seit fast einer Woche die Arbeitsstätte nicht wirklich verlassen hat. Es kommt langsam zum Ende. Zu guter letzt kommt endlich der neue Windgenerator, unser alter hat sich anscheinend zu schnell gedreht und zum rauchen angefangen – kein gutes Zeichen. Dafür haben wir jetzt einen der zehn mal besser und somit das Stromproblem vom Boot verbannt. Aber ganz so einfach läuft’s mal wieder nicht, der Windgenerator ist ein kleines Stück größer als sein Vorgänger und passt nicht ganz auf unsere Halterung. Was jetzt? Eine Halterung kaufen kann man vergessen – 800€. Durch eine kleine Verlängerung nach oben würde alles perfekt passen. Wir find Gott sei dank jemanden im Hafen der uns weiter hilft. Wir sind nämlich in einer art Werft, überall wird an Booten gearbeitet und gewerkelt und praktischer weiße auch geschweißt. Tim geht vor zum Hafenbüro um nach zu fragen ob sie einen Schweißer frei haben – ja zufälligerweise schon! Montag können wir das Konstrukt abholen. 

Montag morgen kommt Tom mit dem Eisengestell in der Hand angerannt, ein bisschen aufgeregt ob’s denn jetzt klappt. Jooaaa. Der Rotor kann sich frei Bewegen und auch in alle Richtungen, aber zum Mast hin wird’s ein bisschen eng. Hoffen wir mal da wackelt nix.

Jetzt wo wirklich alle Arbeiten gemacht wurden können wir uns die Stadt anschauen. Eine echt tolle Stadt! Uns wurde empfohlen mit der Tram 28 zu fahren, die fährt wohl durch enge Gassen und an schönen Plätzen vorbei. Endstation ist auf einem Hügel von wo aus man einen tollen Blick bist zur Brücke hat. Langsam wird’s kalt, wir schwingen uns auf die Skateboards und fahren die ganze Strecke wieder runter.

Heute gehts wieder ab ins Wasser. Dienstag morgen noch schnell ein paar Kleinigkeiten erledigen, dann kommt schon der Kran angerollt.

Eigentlich wollten wir ja gleich nach Marokko, aber wir haben nach der langen Zeit auf Land den Wind ganz vergessen. Natürlich hatten wir kein Glück und der Wind kam aus der falschen Richtung. Dazu kommt jetzt noch ein Problem; Nach langem herum telefonieren haben wir das Problem, dass kein Hafen in Lissabon Platz für uns hat. Nach kurzer Verzweiflung fällt uns ein wir könnten ja einfach nach Callais fahren. Eine kleine Vorstadt etwa 30 km von Lissabon mit ziemlich großer Marina. Wir bleiben eine Nacht und gehen am nächsten Tag noch groß einkaufen für den Atlantik. Uns wurde geraten Dosen und Nudeln noch in Portugal zu kaufen, weil sie da noch am billigsten sind.

Es ist Donnerstag. Der Wind sieht ziemlich gut aus, wir haben echt Lust auf Segeln, wenn da nur nicht der strömende Regen wäre. Aber wir haben ja nicht umsonst eine komplette Regenausrüstung. In mehreren Schichten eingepackt manövrieren wir aus dem Hafen heraus wo riesige Wellen auf uns warten. Das haben wir nicht erwartet, aber naja, das steigert den Spaßfaktor.

Die Tage auf dem Wasser vergehen ziemlich schnell. Man kommt in einen Rhythmus voller Nichtstun rein. Der Tag besteht hauptsächlich aus faulenzen, essen und schlafen. Trotzdem passiert immer wieder was. Man erlebt wunderschöne Sonnenuntergänge, strahlende Sternennächte, atemberaubende Walsichtungen und spannende Kochexperimente. Uns wurde geraten fern von der Küste zu bleiben, weil Nachts viele Fischer ohne Licht auf dem Wasser sind.

Nach fünf Tagen sehen wir wieder Land. Aber diesmal ist es was anderes. Es ist ein neuer Kontinent, Afrika. Leider einer der ärmsten Kontinente aber auch gleichzeitig einer der schönsten. Mit der größten Sandwüste der Welt, verschiedenen Landschaften und eine enorme Tiervielfalt. Marokko ist dabei eines der nördlichsten Länder.

Wir laufen den Hafen von Agadir an. Er sieht auf den ersten Blick ziemlich modern aus, fast ein bisschen zu modern. Da wir wie gesagt nun außerhalb der EU sind, müssen wir einklarieren, das heißt, es kommen drei Beamte auf unser Boot und checken was wir so dabei haben. Dabei sind sie sehr gründlich und halten vor allem nach Drogen ausschau. Es waren trotzdem drei nette Herren die auch Humor hatten, als sie unsere Mehlpäckchen fanden.

Die Stadt finden wir alle nicht so schön, eine eher westliche Großstadt.

Unser Plan ist es ein Auto zu mieten und Land und Leute kennen zu lernen, der Hafenmeister kann uns eins für 160€ organisieren und am nächsten Tag gehts schon los.

Kein Wasser unterm Boot | Blog #007

Es gibt einen Ausblick. Mit Glück kommen wir in den nächsten Tagen aus dem Hafen. Laut Wetterbericht sollen die Wellen von Tag zu Tag kleiner werden, auch der Wind soll abnehmen. Endlich. Auch wenn der Hafen und die Stadt nicht wirklich hässlich sind, wollen wir weg. Die Hauptstadt Lissabon ist dann doch attraktiver als so ein verschlafenes Städtchen.

Während wir auf bessere Zeiten warten haben wir unsere ersten Freunde gefunden. Ein älteres Pärchen aus Dänemark, Karl und Aga. Sie leben seit neun Jahren auf ihrem 11 Meter Segelboot, waren aber noch nie wirklich segeln. Bis sie sich vor einigen Monaten für eine Weltumsegelung entschieden. Wir lachen, das erinnert an uns selbst. Kaum Ahnung aber große Ziele. Wir quatschen über unsere Erlebnisse während einer Runde Bier, gelacht wird viel.

Es ist Mittwoch der 14. November. Tom und Vince schlafen noch tief, Tim kommt gerade vom Strand zurück und man kann ein leichtes Lächeln erkennen. Vielleicht können wir sogar heute schon los – kleine Wellen und guter Wind. Ein bisschen spontan brechen wir noch Mittags auf, schnell auftanken und los gehts. Wo vor ein paar Tagen noch riesige Brecher in die Hafeneinfahrt geschwappt sind, sind es jetzt nur noch kleine, gleichmäßige Wellen. Trotzdem schaukelt die Eira hin und her, zwei Meter gehts noch hoch und runter. Euphorisch und munter gehts raus aufs Meer, mit 6 Knoten rasen wir in den roten Sonnenuntergang. Die Nacht bricht schnell an obwohl es erst 20 Uhr ist, Tausende von Sterne kommen zum Vorschein und der Mond liegt sichelförmig am Horizont.

Anscheinend haben wir uns zu viel über den Wind gefreut, denn der ist nun weg. Das laute Brummen des Motors bringt immer so eine Hektik mit sich, bei der kaum einer schlafen kann – außer Tom, der schläft wie ein Stein. Alles wackelt hin und her und man liegt wie in einem Delirium in seinem Bett und döst vor sich hin. Man ist direkt froh, wenn seine Nachtschicht beginnt. Der nächste Tag ist dann auch immer total trist, aber komischerweise kann man an Deck, wenn die Sonne einem ins Gesicht scheint, besser schlafen.

Die letzen Seemeilen werden teilweise unter Segel gefahren, bis wir endlich in der Flussmündung des Rio Tajo ankommen. Dort befindet sich die 2,8 Millionen-Einwohner Stadt Lissabon. In einem wunderschönem, orangenem Licht gleiten wir die letzen Meilen an der Strandpromenade entlang und staunen über monumentale Bauwerke. „Da, die Golden Gate Bridge“. Fast so beeindruckend wie das eigentliche Wahrzeichen von San Franzisko erstreckt sich die Ponte 25 de Abril mit mehr als zwei Kilometer über den Fluß und verbindet in Nord-Süd-Richtung Lissabon mit der Stadt Almada.

Unsere Nächtigungsstätte wird die Marina in dem Stadtteil Alcântara sein. Bei Dunkelheit kommen wir im Hafen an, müssen zwar kurz nach einem Anlegeplatz suchen, finden dann aber direkt in der Mitte einen.  Wir gehen gleich mit allen Papieren zum Hafenmeister. Auch wenn man noch in der EU ist, muss man alles vorzeigen, also Reisepass, Schiffspapiere, Versicherungsbescheinigung, … . Leider müssen wir erfahren, dass wir nicht lange bleiben können, da der Hafen komplett ausgebucht ist. Ist für uns aber nicht weiter schlimm, weil wir sowieso einen großen Kran brauchen der uns aus dem Wasser heben kann. Denn unsere Eira wird nun für ein paar Tage auf dem Trockenen auskommen müssen.

Nach viel herum telefonieren können wir einen Termin ausmachen zum heraus Kranen, der Hafen ist nur ein paar Seemeilen weiter. Um 9 Uhr morgens sollen wir dort sein. Also gehts am Freitag den 16. um 7 Uhr in der Früh zu dem besagten Hafen. Wir legen an einem kleinen Wartesteg an und quatschen kurz mit dem Kranmeister. Total netter Typ, der wahrscheinlich bemerkt, dass es unser erstes mal ist. Laut ihm ist das alles ganz einfach: wir sollen rückwärts in die fünf Meter breite Bucht fahren und dann das Boot versuchen still zu halten. So locker wie er das gesagt hat, klappt es dann leider doch nicht. Die Wellen sorgen für eine starke Strömung, die das Boot hin und her schmeißt. Während Tim am Steuer ist versuchen alle anderen das Boot fern von den Betonwänden links und rechts zu halten. So ein 16 Tonnen Ding lässt sich aber nur schwer mit Muskelkraft verschieben. Nach 10 Minuten Gewackel ruft der Kranmeister zu uns runter, wir sollen da raus und es in ein paar Stunden nochmal versuchen.

Nach etwa 3 Stunden kommt der neue Anlauf. Das Wasser ist merklich ruhiger geworden, vielleicht klappt’s ja jetzt. Wir manövrieren das Schiff wieder Rückwärts in die Bucht, unter dem Boot die Tragegurte des Krans. Es ist jetzt viel entspannter – kaum sind wir drin, schon fängt der Kran an zu ackern und zieht uns hoch. So hoch war die Eira schon lange nicht mehr. Erleichterung und Freude bei uns. Unsere Dame wird über den großen, leeren Platz gefahren und auf 6 Stützen abgestellt. Ist ein ziemlich massives Ding, mit dem wir uns hier fortbewegen. Der Rumpf sieht soweit gut aus, es haben sich aber viele kleine Blasen, gefüllt mit Salzwasser, gebildet die weg müssen. Nach langer Zeit wird mal wieder richtig gewerkelt – das Unterwasserschiff wird von Muscheln gesäubert, die Bläschen abgeschliffen, eine neue Grundierung aufgetragen und mit mehreren Schichten Antifouling bestrichen. Leider gab es den Farbton rot nichtmehr, deswegen mussten wir schwarz nehmen, die Meinungen gehen eher auseinander.

Außerdem sind wir jetzt um zwei Seeventile reicher. Eins für die Entsalzungsanlage und eins bei der Spüle, damit man mit Salzwasser abwaschen kann. Das ist ziemlich praktisch bei längeren Strecken.

Gefangen im Hafen | Blog #006

Nach dem uns der nette Hafenmeister von Muros geraten hat am 30. aufzubrechen, da das schlechte Wetter dann vorbei sei, befolgen wir diesen Rat. Die nächsten zwei Tage sind ziemlich Trüb, ständig hängen dicke Wolken über dem Wasser und der Nieselregen verdirbt uns die Laune. So haben wir uns Spanien nicht vorgestellt, wir sind aber auch etwas spät dran für das schöne Sommerwetter. Am Mittwoch kommen wir spätnachmittags in der Marina von Baiona an. Es sieht so aus als werden wir hier ein paar Tage verbringen, nicht wegen der schönen Stadt aber wegen dem Wind, denn wir brauchen Nordwind um bis nach Portugal zu kommen. Baiona ist der letzte Hafen an Spaniens Küste. Da heute Halloween ist wollen wir am Abend mal in die nächst größere Stadt fahren und in eine Bar schauen. Der letzte Bus fährt um 22 Uhr, knapp eine halbe Stunde sind wir unterwegs. Vigo ist mit 400.000 eine Großstadt für uns „Landkinder“.

Nach einer langen Nacht geht’s am Abend weiter nach Süden, der Wind ist top, die Leinen werden los gemacht und die Segel gleich gesetzt. Es ist schon stockdunkel, für uns eher unangenehm in die Nacht hinein zu segeln. Etwa eine Seemeile aus dem Hafen raus merken wir dass der Wind stärker ist als gedacht. Die Eira liegt ziemlich schräg drin obwohl nur die Fock ausgerollt ist! Mit stolzen sieben Knoten „fliegen“ wir in die Dunkelheit hinaus. Einerseits sind wir erstaunt, wie gut wir bei einem Halbwindkurs performen, andererseits haben wir auch ein mulmiges Gefühl, da hohe Wellen über das Vordeck schwappen. Nach kurzer Besprechung entscheiden wir uns wieder umzudrehen. Die Zeit drängt noch nicht so sehr, dass wir unnötige Risiken eingehen müssen. Der Wind wird immer stärker, es sind  schon knappen 30 Knoten und jetzt fängt es auch noch an zu regnen. Nach einem gescheiterten Ankermanöver (der Untergrund war zu sandig, deswegen hat der Anker nicht gehalten) legen wir in einer Box an. Der Regen peitscht ins Gesicht, man versteht kaum ein Wort und die Laune sinkt stetig. Endlich ist das Boot fest und wir können unter Deck ins trockene. Für uns geht’s schnell ins Bett, weil wir morgen früh los wollen.

Wir haben die Bucht verlassen und Kurs auf den nächsten Hafen gesetzt. Schon nach 15 Seemeilen sind wir über die portugiesische Grenze. Diesmal ist der Wind zu schwach. Der Motor läuft jetzt schon seit Anfang an und das Gebrumme geht jedem auf die Nerven. Auf einmal ruft Vince wir sollen unbedingt hoch kommen. Wir haben ein bisschen Angst, dass schon wieder was kaputt ist aber kaum aus dem Niedergang rausgeschaut, sehen wir unzählige Delfine aus dem Wasser springen. Eine ganze Delfinschule kommt auf uns zu geschwommen, hunderte kreuzen unseren Weg und sind so freundlich, dass sie uns ein Stück begleiten. Obwohl wir jetzt schon ein paar mal Delfine gesehen haben ist es immer wieder atemberaubend. Delfine zählen zu den intelligentesten Tieren, da sie ein sehr komplexes Gehirn besitzen. Manchmal hat man wirklich das Gefühl, die Tiere würden einen in die Augen schauen wenn sie unter einem schwimmen.

Die Nacht kommt schnell und uns erwartet eine weitere Überraschung. Das Wasser glitzert mal wieder wegen der fluoreszierenden Algen und einzelne Delfine rasen durchs Wasser. Sie ziehen meterlange leuchtende Streifen hinter sich her, da sie die Algen hinter sich aufwirbeln. Das erinnert ein bisschen an den Film „Life of Pi“

Der Wind ist noch immer nicht gekommen, also steuern wir die nächste Marina an, die Stadt heißt Figueira da Foz. Nach einer kleinen Erkundungstour fällt uns auf, dass die Stadt ziemlich herunter gekommen ist. Lauter verlassene Häuser, viele Ruinen, mehrere umgeknickte Laternenmasten. Es ist schon dunkel und wir sehen am Ende der Barmeile ein helles Gebäude. Je näher wir kommen desto mehr blendet es. Es ist ein riesiges Casino. Ein massiver Glasklotz. Wir können nicht anders und werfen einen blick rein. Hohe Säle, gefüllt mit Menschen die vor Automaten ihr Glück erhoffen. Ein wenig geschockt sind wir schon beim rausgehen. Das Casino zieht die Einheimischen an wie ein Magnet. Vielleicht ist die Stadt deswegen so verlassen.

Nun sind wir schon seit fast einer Woche gefangen im Hafen, weil riesige Wellen die Ausfahrt unmöglich machen. Das Wetter wird immer schlechter, es Regnet teilweise den ganzen Tag und dunkle Gewitterwolken blockieren das Tageslicht. „You will not make it“ sagt der Hafenmeister als wir ihn fragen, ob es morgen besser aussieht. Jeden Tag wird die Langeweile größer, man kann bei so verregneten Tagen eben nicht viel machen.

Sonntag zeigt sich endlich die Sonne. Es ist zwar nicht unbedingt wärmer, aber alleine schon das es heller ist macht bessere Laune. Wir packen unsere aufblasbaren SUP’s ein und machen uns auf den Weg zum Strand. Der Strand erstreckt sich mehrere Kilometer in beide Richtungen. Schon vom Wasser aus sahen wir das fast die ganze Küste Portugals aus Strand besteht. Die Wellen sind aber immer noch riesig. Massive Mauern aus Wasser schlagen auf den Sand und ziehen Unmengen von Sand ins Meer. Mit dem Surfen wird das wohl nix. Das Meer ist auch viel zu kalt dafür. Wir haben uns von den Wellen noch ein bisschen anspülen lassen und sind mit den Boards auf den Brechenden Wellen an den Strand geritten.

Notankern bei 30 Knoten Wind | Blog #005

La Coruña überrascht uns mit seiner Schönheit. Mit knapp 250.000 Einwohnern eine ziemlich große Stadt an der nördlichen Küste Spaniens. Wir durchwandern die kleinen Gassen und staunen vor den massiven Hochhäusern. Bei Nacht leuchtet die Küstenpromenade und selbst bis spät in die Nacht sind die Bars und Cafés gefüllt. Leider kann man nicht viel Kontakt mit den Einwohnern aufbauen, weil nur sehr vereinzelt Englisch gesprochen wird. Auch im Supermarkt können wir uns nur mit Händen und Füßen verständigen.
Wir brechen am Mittwoch den 24. Oktober wieder auf, wissen aber jetzt schon, dass wir nicht weit kommen werden, da der Wind kaum Vorhanden ist. Wir haben aber eine kleine Insel mit Bucht zum Ankern in Ausblick die gerade mal 20 Seemeilen entfernt ist. Trotz der kurzen Distanz sind wir fast sieben Stunden unterwegs, teilweise mit Motor. Wir werfen bei Dämmerung den Anker und beim zweiten Versuch sitzt er auch fest im Boden; Tim schläft trotzdem zur Sicherheit an Deck.
Am nächsten Tag Packen wir unserer Badehosen aus und schmeißen das Dingi ins Wasser. Wir pumpen unser Stand Up Paddling Board auf und surfen hinter dem Beiboot her. Mit 14 Grad ist das Wasser zwar noch nicht Badereif, aber zum reinspringen reicht es. Gegen Nachmittag machen wir uns auf den Weg und erkunden die Insel. Wir besteigen den 200 Meter hohen Berg und sind überwältigt von der Aussicht. Die Insel scheint ziemlich verlassen zu sein, alte Ruinen werden von der Natur zurück erobert und scheinen jeden Moment einzubrechen. Große, vom Regen rund gewaschene Felsen prägen die Landschaft und überall setzt sich ein Gelber Moos ab. Ab und zu sehen wir Feldhasen über den Weg huschen, sonst scheinen aber nicht viele Tiere hier zu leben. Wir stapfen durch die Kniehohen Flechten bis auf die andere Seite, die dem offenen Meer zugewandt ist. Eine Atemberaubende Szenerie! Fast senkrecht gehen die Klippen runter zum Meer, wo gewaltige Wellen gegen die Felswände prallen. Ein Paradies für lebensmüde Kletterer.
Wir gehen weiter Richtung Westen um den Sonnenuntergang zu verfolgen. Dabei kommen wir an einem alten Leuchtturm vorbei, der einsam an der Brandung steht und vielen Schiffen den Weg weist. Die letzten Sonnenstrahlen legen die kleine Insel in einen warmen gelblichen Schleier und wir kommen aus dem Staunen garnicht mehr raus. Bevor die Sonne ganz weg ist machen wir uns auf den Rückweg zu unserem Zuhause. Das Ankerlicht unserer Eira leuchtet uns entgegen und wir sind auch ein bisschen froh, dass unser Schiff noch am selben Platz steht.
Am frühen Morgen geht es weiter, da wir vor dem kommenden Sturm in einen Hafen Flüchten müssen. 50 Seemeilen werden entspannt zurück gelegt bis wir zu dem Yachthafen von Muros kommen. Der Wind nimmt merklich zu und wir freuen uns schon auf die sichere Nacht. Das kleine Städtchen liegt etwa 4 Seemeilen in einer Bucht. Der Wind ist jetzt so stark, dass wir gezwungenermaßen die Segel hissen müssen und mit dem Motor weiter fahren müssen. Hohe Wellen brechen über dem Vordeck und machen uns die Einfahrt nicht leicht. Der Motor läuft auf der höchsten Stufe aber wir kommen kein bisschen voran. Nun stürmen schon fast 35 Knoten gegen uns, die seitlichen Berge bilden einen Windkanal und verstärken den Effekt nochmal. Wir können nicht mehr weiter, der Sprit wird immer weniger und wenn es so weiter geht schaffen wir es bis zum Hafen nicht. Wir müssen umdrehen und Notankern! Mit bedrückten Minen und Rettungswesten sitzen alle Mann im Cockpit, Tim steuert das Boot aus dem Kanal in eine kleine windgeschützte Bucht. Noch immer knallen 30 Knoten Wind gegen das Boot während wir den Anker fallen lassen. Von vorne schreit Tim Tom zu, er soll Rückwärts fahren. Die Ankerkette rattert über die Rolle. „Stopp!“. „Was??“. „Stehen bleiben!“. Nur schwer kann man sich bei dem heulen des Windes verständigen. Durch starkes Gas geben nach hinten fahren wir den Anker ein, damit er sich noch mehr in den Boden eingräbt und besser hält. Auf unserem Plotter sehen wir dass sich das Boot nicht mehr bewegt, das heißt der Anker hält bis jetzt. Unter Deck stärken wir uns erstmal und checken den Wetterbericht für morgen. Um 6 Uhr soll der Wind abschwächen, bevor der Sturm wieder loslegt. Mit einem mulmigen Gefühl gehen wir alle früh schlafen.
Wir nutzen das Zeitfenster und versuchen es um 7 Uhr ein zweites mal. Ohne Probleme kommen wir durch die Engstelle und fahren noch bei Dunkelheit in den Hafen ein. Schnell anlegen und dann wieder aufs Ohr hauen. Alle sind komplett fertig aber froh im Hafen zu sein.

Die längste Fahrt ohne Land in Sicht | Blog #004

Nach dem wir uns für ein paar Tage die Stadt angeschaut haben heißt es nun wieder Abschied nehmen von England. Wir haben gemerkt dass die Briten sehr freundlich gegenüber Neuen und auch beim feiern gehen lustige Menschen sind.
Am Sonntag den 14. Oktober brechen wir auf und setzen Kurs auf die Kanalinseln, eine Inselgruppe zwischen Frankreich und England, die aber einen eigenständigen Staat bilden. In Saint Peter Port auf Guernsey komme wir Montag Vormittag nach einer ziemlich anstrengenden Nacht an. Um einiges schneller als wir dachten. 30 Knoten Rückenwind sind einfach praktisch. Ein gemütlich kleiner Hafen, drum herum ein städtisches Gewusel was wieder ein bisschen Schwung in den manchmal tristen Alltag bringt. Die Stadt liegt auf einem kleinen Hügel und die vielen alten Steinhäuser machen eine angenehme Atmosphäre. Die nächste Etappe geht bis nach Brest, eine für Segler bekannte französische Hafenstadt, da von dort aus viele die Bucht von Biskaya überqueren. Dazu gehören auch wir.
Donnerstag Abend in Brest noch schnell beim Wetterdienst durchrufen um sicher zu gehen, dass uns keine böse Überraschung erwartet und dann abfahrt. Mit drei Tagen wird das für uns die längste Fahrt ohne Land in Sicht und für Vincent die erste Fahrt seines Lebens sein. Denn Vince ist am heutigen Tag um 12 Uhr Nachts am Flughafen angekommen und zu uns aufs Boot gestoßen, weil er wegen seinem Autoführerschein nicht von Anfang an dabei sein konnte. Es ist zwar nicht der angenehmste Start ins Segelleben aber er ist guter Dinge.
Freitag um 6 Uhr morgens geht’s los, die ersten Sonnenstrahlen zeigen sich hinter den felsigen Klippen, der Motor brummt vor sich hin und der Bug zeigt auf den offenen Nord Atlantik.
Die ersten Seemeilen müssen ohne Segel gefahren werden; der Wind spielt noch nicht mit. Nach 20 Meilen werden die Segel gesetzt und wir können mit fünf Knoten dahin schippern. Die Zeit vergeht nur langsam.
Da es nach dem kalten Norden endlich ins warme Spanien geht müssen auch unsere Haare angepasst werden. Wir haben zwar keinen Friseur an Bord aber Tim stellt sich ziemlich geschickt mit der Schere in der Hand an. Ein Campingstuhl muss als Stuhl reichen und auch sonst ist die Ausstattung unseres Friseursalons eher mager, aber die Haare von Jungs sind ja bekanntlich leicht Hand zu haben.
Die erste Nacht bricht an und die Schichten wurden schon eingeteilt. Jeder übernimmt eine 2,5-Stunden-Schicht, von 19:30 Uhr beginnend bis 10:30. Tim und Michi opfern sich und übernehmen zwei Schichten. Nachtfahrten sind zwar nicht sehr beliebt bei uns aber wenn man alleine unter dem Sternenhimmel sitzt und der Wind in den Segeln sitzt ist das schon ein beruhigendes und angenehmes Gefühl.
Am folgenden Tag werden wir von unseren Freunden den Delphinen ein Stück begleitet. Wie als würden sie sich über die Aufmerksamkeit freuen springen sie aus dem Wasser und flitzen unter unserem Boot herum. Eine Nachtfahrt mehr und ein Stückchen Näher am Zielhafen La Coruña in Nordspanien. Auch die letzten Seemeilen ziehen sich hin, sodass es schon dunkel ist bis wir ankommen. Die Stadt ist hell erleuchtet und wir sind ein bisschen froh wieder in der Zivilisation angekommen zu sein.

Mitten im Sperrgebiet | Blog #003

Den Haag, die Stadt des Internationalen Gerichtshof der UN, wird morgens um elf Uhr verlassen und wir versuchen bis nach Calais zu kommen. Ein perfekter Segeltag, in den ersten zwei Stunden kommen wir 14 Seemeilen vorwärts. Natürlich hat die Freude ein schnelles Ende und der Wind verschwindet auf einmal. Wir fahren unter Motor in einen wunderschönen Sonnenuntergang bei Spiegelglattem Wasser. Die Nacht wird nochmal spannend gemacht durch ein halb durchdachtes Manöver. Links von uns ein großer Windpark – klar, da nicht durchfahren. Rechts von uns eine hohe Ölplattform – lieber ein bisschen Abstand halten. Dazwischen – 5 Seemeilen freies Meer, also einfach durch da, oder? Falsch. Wir sehen schon kurze Zeit später ein Motorboot mit Warnlicht auf uns zuflitzen. Über Funk wird uns mitgeteilt, dass wir uns mitten im Sperrgebiet befinden und sofort umdrehen sollen. Dazu sagt man doch nicht nein. Wir bekommen eine persönliche Eskorte aus dem Gebiet und setzen unseren Kurs wieder auf Calais. Am frühen Morgen erreichen wir den Zielhafen in Frankreich.
Nach einem teils durch Unwissenheit gezwungenem zwei-Tages-Aufenthalt in der Marina geht’s weiter an der Französischen Küste. Nach wenigen Seemeilen merken wir jedoch, dass die Strömung stärker ist als gedacht. Gegen drei Knoten Strömung können wir nicht ankämpfen. Wieder zurück in den Hafen? Neee. Das schöne am Segeln ist, man kann hin fahren wo immer man will. Also warum nicht nach England übersetzen? Der Britische Yacht- und Fährhafen von Dover ist nur 23 Seemeilen von Calais entfernt. Gegen Abend kommen wir der Englischen Küste näher und massive Felswände aus Kalkstein ragen aus dem Meer empor. Es ist ein schöner Hafen, alte Mauern führen einen wie in einem Labyrinth zum weiter hinten gelegenen Yachthafen.
Wir haben einen wunderschönen nächsten Tag mit viel warmen Sonnenschein, jedoch fehlt der Wind und den Motor wollen wir nicht schon wieder anwerfen. Dann halt Ankern. Mit einer tollen Kulisse warten wir auf den Wind der uns weiter Richtung Westen tragen soll. Es steht mal wieder eine lange aber entspannte und ruhige Nacht an. Ein heller Mond und unzählige Sterne begleiten uns auf dem Weg in Richtung Isle of Wight.
Wir entscheiden uns am nächsten Tag in die Haslar Marina in Gosport ein zu laufen. Es ist schwerer als es sich anhört. Da der Hafen sich in einer Bucht befindet herrscht eine sehr starke Gezeiten-Strömung, blöderweise genau jetzt die stärkst Mögliche. Eine halbe Stunde lang muss unser armer Motor auf Vollgas arbeiten, das tat im Herzen weh und es roch auch nicht ganz so gut.
In einem super Hafen sind wir! Im Marina Office begrüßt uns ein total freundlicher Mann und gibt uns Tipps zum Einkaufen und ist begeistert als wir ihm von unserem Vorhaben erzählen.

Wir kriegen’s nicht leicht gemacht | Blogpost #002

Nach einer zwei Tage langen Durchquerung Norddeutschlands durch den Nord-Ostsee-Kanal kommen wir endlich in der Nordsee an. Als Willkommensgruß erwartet uns unser erster kleiner ‘Sturm’. Zwei Meter hohe Wellen spielen mit unserem Stahlboot herum, als wäre es eine Nussschale. Nach einer Nervenaufreibenden Einfahrt in die Cuxhavener Marina der von Schaukeleien geprägt ist kommt der nächste Schock. Beim Einfahren zu den Boxen geht auf einmal der Motor aus. Der starke Gegenwind treibt uns mit rasanter Geschwindigkeit zurück und die Beckenmauer kommt immer näher. Mit klammen Fingern startet Tim den Motor neu, reißt das Ruder rum und versucht es ein weiteres mal, diesmal ohne Motorunterbrechung. Anlegemanöver geglückt.
Der nächste Tag hat erst begonnen und schon geht’s wieder aufs Meer. Um vier Uhr früh heißt es Leinen los und auf nach Norderney. Kaum fünf Kilometer aus der Hafeneinfahrt heraus motort und das nächste Problem steht an. Der Motor ist schon wieder ausgefallen, jedoch lässt er sich dieses mal nicht so leicht neu starten. Nach langem Gesuche ist klar: die Leitungen sind verstopft und der Motor bekommt kein Sprit mehr. Tim und Tom setzen sich dran und pumpen die Schläuche aus. Henrik dreht den Schlüssel um. Es rattert nur. Nochmal. Es rattert. Nach zwei Stunden Versuchen und Verzweifeln schnurrt er auf einmal und jedem fällt eine Last ab. Wir kriegen’s nicht leicht gemacht aber weiter geht’s. Nach 24 Stunden fahrt und sieben weiteren Streiks des Motors kommen wir endlich in Norderney an. Nach einer Motor- und Tankreinigung geht es am 27. September weiter in Richtung Holland.
In Den Helder suchen wir für zwei Tage Schutz vor Sturm und schlechtem Wetter. Nach nur einem Segeltag müssen wir schon wieder in einen sicheren Hafen der sich in der nähe des kleinen Städtchens IJmuiden befindet.
Am 2. Oktober verlässt uns schließlich unser zeitweiliger Skipper, der uns einiges an theoretischen und praktischen Wissen mitgeben konnte. Nach zwei sonnigen Tagen auf denen uns sogar Delphine verfolgten kommen wir im Hafen von Den Haag an. Ein von großen Hochhäusern umgebener Yachthafen aber ohne die städtische Hektik. Perfekt um Vorräte auf zu füllen.