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Endlose Probleme | Blogpost #015

Wow. Wir dachten die Dieselpest wäre unser schlimmster Feind gewesen, aber nein, etwas viel größeres bereitet uns Probleme.

Nachdem wir in Kuba eine tolle Zeit mit Tim’s Verwandten hatten ging’s mitsamt Tim’s Bruder Marian, dessen Freundin Leni und unserem Kumpel Jannes nach Jamaika. Schon bei einem kleinen Testtörn hat sich gezeigt, die drei sind ein bisschen wackelig auf den Beinen. Was soll’s, sind ja nur zwei Tage auf dem Wasser.

Für uns sind es auch bloß zwei Tage entspanntes Segeln, nur unsere Gäste haben da ein paar Schwierigkeiten. Noch vor Aufbruch werden die ersten Präventionen unternommen und die Seekrankheits-Bändchen aus dem Rucksack gekramt. Mit gutem Gewissen geht es raus auf die See, die ersten Stunden noch unter Motor und vor lauter Beschäftigung mit dem neuen Angelequipment wird erst garnicht an das Geschaukle gedacht. Doch gegen Abend, als die Sonne und der Horizont ein farbliches Spektakel zaubern, da merkt man erst wie sehr die Eira doch wackelt. Die harten Geschütze werden ausgepackt: Übelkeitspflaster! Bald sitzen nur noch wir Jungs im Cockpit und bestaunen den tiefen Sternenhimmel während der Rest seelenruhig schläft.

Um 12 Uhr des nächsten Tages ist die neue Insel in Sicht, Jamaika, berühmt ist sie hauptsächlich wegen der Legalisierung von Kannabis, jedoch hat sie so viel mehr zu bieten als das. Im kleinen Hafen von Port Antonio immigrieren wir in das Land ein, eine gehasste Prozedur von Langfahrtenseglern. Als würde es nicht reichen alle Daten der Crew auf einem Blatt abzugeben, nein, man muss gleich auf fünf verschiedenen Zetteln die selben Informationen eintragen.

Da die Stadt nicht sehr viel zu bieten hat, hält es uns auch nicht lange dort. Nach zwei Tagen geht es weiter, das Ziel ist Ocho Rios, auf GoogleMaps sah das ziemlich vielversprechend aus. Wir machen uns also auf die Socken, passieren die enge Ausfahrt unserer Ankerbucht und kämpfen gegen harten Gegenwind an, doch auf einmal passiert es.

„Der Motor ist aus!“ schreit Tom übers Deck und denkt gleich an die Dieselpest. Nichtmal 50 Meter sind es links und rechts bis Land kommt, der Wind presst uns mit unglaublichen Druck nach hinten. Trotzdem wissen wir gleich was Sache ist, die Fock wird sofort heraus gezogen um zurück in die Bucht zu fahren und unter Segeln zu Ankern. Hat geklappt! Wir sind ein bisschen stolz auf uns, doch der Stolz verfliegt gleich wieder als die Frage aufkommt „Was ist jetzt mit dem Motor los?!“.

Die Dieselpest wird (leider) schnell ausgeschlossen, die Spritzufuhr sieht in Ordnung aus. Tim fällt auf, dass der Motor viel zu heiß ist, er versucht den Motor an der Kurbelwelle zu drehen und nichts bewegt sich. Wie ein Schlag ins Gesicht trifft einen die Realisation, dass der Motor mit einer guten Wahrscheinlichkeit komplett kaputt ist wegen eines Kolbenfressers. „Der darf nicht kaputt sein“.

Wir sind ziemlich am Boden, der Hafenmeister gibt uns den Kontakt eines guten Mechanikers und nach einem schnellen Telefonat ist abgemacht, dass dieser morgen um 10 Uhr kommt.

Shawn ist extra von der 2 Stunden entfernten Hauptstadt Kingston angereist, da der Hafenmeister meinte, jeder Jamaikaner den wir fragen wird sagen, er kann unseren Motor reparieren, aber nur wenige können es wirklich.

Unsere drei Begleiter verlassen uns leider hier, sie haben sich ihren Urlaub anders vorgestellt, ohne tagelangem Motorreparieren. Aber das ist nunmal eine Weltumsegelung.

Nachdem wir Shawn zuschauen wie er unseren Perkins komplett auseinander nimmt haben wir ein gutes Gefühl. Denn auf die Frage, woher er wüsste, welche Schraube wohin gehören, nachdem er alle in eine Box schmeißt antwortet er ganz lässig: „Die haben doch unterschiedliche Größen“.

Nach zwei Arbeitstagen ist der Motor erstaunlicher Weise wieder ganz und wir machen den Test. Wow, er läuft wirklich wieder! Und zwar ohne Probleme! Wie hat Shawn das nur geschafft? Es lag an einem kleinen Teil in der Kurbelwelle welches gebrochen war und somit den gesamten Motor zum Stilstand brachte.

Gut gelaunt lichten wir am nächsten Tag den Anker und wagen uns durch die selbe Engstelle, diesmal problemlos.

Mit einem Zwischenstopp kommen wir am Mittwoch in Ocho Rios an. Die Ankerbucht ist umgeben von einem riesigen Korallenriff, welches man weit umgehen muss. Etwa eine Meile vor der Einfahrt werfen wir den Motor an, doch es kommt nur ein leises rattern des Anlasser. Was ist denn jetzt schon wieder?! Okay dann eben wieder unter Segeln Ankern, das können wir ja jetzt. Es gibt zwei Ankerspots, eine Windgeschützte Bucht und eine zum Wind hin gerichtete, die jedoch sehr klein und eng ist. Gezwungenermaßen müssen wir letzteres nehmen, damit wir noch Wind in den Segeln haben. Tom kommt auf die geniale Idee, den Batterieknochen umzulegen. Falls die Anlasserbatterie keinen Saft mehr hat wird dadurch auf die Verbraucherbatterien zugegriffen. Und es klappt! Der Motor läuft und bringt uns mit einem mulmigen Gefühl zum Ankerspot.

So ein stressiges Manöver hatten wir wahrscheinlich noch nie, darauf hocken wir uns erstmal in eine Bar und entspannen.

Nach zwei Tagen in der wirklich schönen Stadt Ocho Rios wollen wir weiter nach Montego Bay, wo wir Toms Elter treffen. Aber wer hätte es gedacht, natürlich macht uns der Motor einen Strich durch die Rechnung. Es kommt Wasser aus dem Zylinderkopf! Langsam ist’s wirklich nicht mehr lustig.

Auf Zwei Rädern | Blogpost #014

Nach einer anstrengenden Überfahrt von den BVI’s in die Dominikanische Republik mit dem ständigen Brummen des Motors im Hintergrund werfen wir vor Samaná den Anker. Der erste Eindruck ist eher so naja. Total verschmutztes Wasser, in dem man nicht mal seine Füße waschen will und eine runter gekommene Stadt mit zerfallenen Häusern. Die Natur sah dafür unglaublich aus. Grün, saftig, lebhaft. Es war schon von vornherein klar, dass wir das Land erkunden wollen, also machen wir uns gleich am nächsten Tag auf den Weg um ein paar Mopeds auf zu treiben. 10$ pro Tag, 150 ccm, viel Spaß.

Wir kommen erst nachmittags los, mit dem Rucksack auf den Gepäckträger geschnallt und der Sonnenbrille im Gesicht fahren wir aus der hektischen Stadt heraus und entlang an der Küste. Ein Ziel gibts wie immer nicht; naja, viel sehen und Leute treffen wenn man so will. Der Schlafplatz für Tag 1 ist ein einsamer Strand, der nur schwer über eine Schotterpiste zu erreichen ist. Ganz wie in alten Zeiten liegen wir in unseren Schlafsäcken vor dem Lagerfeuer. Die Sonne legt sich über dem Horizont, das Wasser glitzert in einem wunderschönen rot und Pelikane fliegen durch die Szenerie. Man weiß, irgendwas hat man richtig gemacht.

Tag 2 beginnt um 7:30, die Palmen schützen uns noch vor der heißen Morgensonne, aber es ist jetzt schon unerträglich in unseren Betten. Wir wollen uns so schnell wie möglich auf die Bikes schwingen und den kühlen Fahrtwind im Gesicht spüren. Zum Frühstück halten wir an einem kleinen Straßenstand, kaufen für etwa 2$ zwei frische Ananasse und ein paar Bananen. Das Leben hier ist entspannt, die Hitze lässt erst gar kein Stress zu, wer sich hier hetzt, der macht etwas falsch. Und man merkt, es tut den Leuten gut, kein grimmiges Montag-morgen Gesicht oder ein aufgebrachtes Telefonat mit dem Chef zu sehen, viel öfter ein ‚Guten Morgen‘ über die Straße herüber rufen.

Die Straßen sind schön zu fahren, es gibt immer einen Nebenstreifen der extra für die etlichen Mopedfahrer da ist. Die Zweiräder spielen eine große Rolle in diesem Land, sie dienen nicht nur der schnellen Fortbewegung, auch sind sie ein Zeitvertreib und Beschäftigung von vielen und oft der stolze Besitz des Mannes.

Wir fahren entlang des Nationalparks ‚Las Colina‘ und machen halt in einem kleinen Bergdorf. Wir haben uns schon daran gewöhnt eine Attraktion zu sein, die Leute finden wohl den Anblick von vier weißen Jungs auf alten, klapprigen Motorrädern amüsant, genau so wie wir. Oft wird man angesprochen, was wir hier denn machen, warum wir nicht wie alle anderen Touristen in Bussen durch die Gegend fahren. „Viel Spaß noch“.

Da unsere Maschinen nicht mehr die neusten sind war uns klar, dass früher oder später etwas kaputt gehen würde. Vince Hinterreifen ist platt, ein Nagel steckt tief im Mantel. Scheiße! Wir sind irgendwo in den Bergen, die nächst größere Stadt ist viel zu weit weg und an Flickzeug haben wir natürlich nicht gedacht. Langsam schieben wir die Mopeds durch das Dorf und bekommen von allen Seiten Hilfe angeboten. Jeder der den platten Reifen sieht kommt zu uns und versucht mit Händen und Füßen uns den Weg zur nächsten Werkstatt zu erklären. Die Hilfsbereitschaft ist unglaublich! Wir stehen vor einem großem, alten Baum, darunter ist eine kleine Schrauberwerkstadt aufgebaut mit einem kleinen Blechdach und einem Feuer in der hinteren Ecke. Der Mann sieht uns und unsere Problem und ohne ein Wort zu sagen schnappt er sich seinen Schraubenschlüssel, baut den Reifen aus und flickt den Schlauch auf eine Weise wie wir es noch nie sahen. Nach etwa 15 Minuten ist alles wieder zusammen gebaut und was verlangt er? 1$. Nicht mehr, unglaublich!

Gegen späten Nachmittag kommen wir in der Hauptstadt Santo Domingo an, das Verkehrschaos  kommt uns bekannt vor. Wie in Marokko fährt jeder wie er will, Ampeln sind nur zur Deko da und die Mopedfahrer sind lebensmüde. Wir nehmen uns ein Zimmer, es ist komisch zu sagen, aber Motorrad fahren ist anstrengender als man glaubt.

Tag 3 führt uns wieder heraus aus dem städtischen Trubel und zurück aufs Land, wir haben uns Cotuí als Ziel gesetzt. Die Straßen werden kleiner und der Verkehr weniger, auf holprigen Straßen geht es durch von der Natur eroberte Gebiete. Schon während der ganzen Tour fällt uns auf, dass das Leben hier auf den Straßen statt findet. Egal zu welcher Tageszeit man unterwegs ist, man sieht immer Leute vor ihren Häusern sitzen oder Kinder auf den Wiesen spielen. Deswegen weiß auch meistens gleich das ganze Dorf bescheid was man gerade beim Minimarkt eingekauft hat; die Menschen leben noch miteinander. Wir kommen nicht ganz so schnell voran wie gedacht, da alle paar Stunden jemand einen Platten bekommt. Das ist hier aber wohl keine Seltenheit, da hinter jeder Ecke eine kleine Blechhütte steht, die wahrscheinlich nichts anderes tut als den ganzen Tag Reifen zu flicken.

Es wird schon dämmrig, der Himmel färbt sich rot und das Tageslicht verschwindet langsam hinter den Bergen, erst im Dunkeln kommen wir in der Stadt an und müssen uns gezwungenermaßen ein Hostel suchen.

Tag 4 bringt uns an die wunderschöne Nordküste des Landes. Die Straße führt durch ein enges Gebirge, es geht Bergauf und Bergab, den Palmensandstrand immer im Blick. Wir habens ein bisschen eilig, da wir um 16 Uhr die Motorräder wieder abgeben müssen,  trotzdem genießen wir die letzten Kilometer auf unseren Bikes. Schnell noch einen Blick an einen der wunderschönen Sandstrände werfen, um die Vorfreude auf die nächsten Tage unter Segeln zu steigern. Nach einer Weile kommen wir endlich wieder in die Nähe der Zivilisation, die Leute winken uns zu und lachen mit uns; Vielleicht auch über unsere kaputten Mopeds, aber sie scheinen Spaß zu haben. 12 Kilometer bis Samaná steht auf dem Straßenschild, die Straße kommt uns wieder bekannt vor. Schade, dass es schon vorbei ist, man hat sich in der kurzen Zeit ein bisschen verliebt in seinen fahrbaren Untersatz. Fast zu perfekt kommen wir um Punkt 16 Uhr in der Stadt an und stehen vor dem Verleih, nicht mal der Besitzer ist schon da. Die Abgabe war kein Problem, 2$ wollte er für zwei fehlende Muttern, sonst hatte er aber nichts zu meckern. 

Jeder war froh die Eira wieder zu sehen, es ist eben ein Zuhause geworden. 

Palmen im Wind |Blogpost #013

Wir sind uns einig. Jolly Harbour auf Antigua ist einer der schönsten Marinas bisher! Zwischen etlichen vor Anker liegenden Yachten manövriert man durch die lange Hafeneinfahrt. Das Wasser leuchtet im typischen Karibikblau und die Palmen lassen ihre Wedel im Wind flattern. Das Paradies ist allgegenwärtig. Die Marina befindet sich in einer weit verzweigten Bucht die wie ein alter Baum, seine Äste in alle Richtungen streckt. Am Ufer liegen süße, bunte Häuser dicht aneinander gereiht, jedes hat seinen privaten Steg mit dem eigenen Motorboot davor liegen. Es erinnert an Venedig mit dem gewissen Karibik-flair. Hier kann man doch nur sorgenlos leben.

Das einklarieren ist diesmal auch nur halb so nervenaufreibend, wenn man die nötige Geduld mit sich bringt und sich immer klar macht, wo man denn gerade ist. Nachdem wir die Eira sicher am Steg anlegen erkunden wir ein bisschen die Marina, von der Ferne sah es ziemlich vielversprechend aus.

Auf einem Kaputten Holzsteg geht man an den vielen Yachten entlang und kommt auf einen großen Platz, drum herum viele Restaurants und Bars. Wenn es nicht so teuer wäre würden wir uns ja einen Drink genehmigen, aber die Karibik kommt ihrem Image ziemlich gut nach.

Das was das Langfahrtensegeln erst ausmacht sind die Leute die man kennen lernt. Man trifft fast nur freundliche Menschen, jeder Grüßt und man sieht in jedem Seglergesicht die Freude der Freiheit. In den Marinas kommt man dann auch oft ins Gespräch, weil jeder seine Geschichten weiter erzählen und andere an der Freude teilhaben lassen will.

Wir treffen Guido und Ebbes, zwei Segler aus Deutschland die ihr leben in der Karibik genießen. Schnell kommen wir ins Gespräch und werden auf ein oder zwei Drinks auf ihre Yacht eingeladen. Unser kaputtes Dingi wird erwähnt und wir erfahren, dass sich unsere Gastgeber vor kurzem ein neues gekauft haben. Kurz: Sie wollen uns ihren alten Honda 2,3 PS Motor schenken inklusive Schlauchboot. Das ist ja der Hammer! Genau zum richtigen Zeitpunkt, denn wer weiß wie lange unseres noch geschwommen wäre. Wir revanchieren uns mit unserem alt bekannten Chicken-Curry und laden unsere Retter zum Essen ein.

Es geht weiter zu der schönsten Karibik Insel wie uns mitgeteilt wurde. Barbuda soll der karibische Traum sein, genau wie man ihn sich vorstellt. Und wir werden kein bisschen enttäuscht. Du liegst am Strand, der überzogen von einem pinken Schimmer ist, da Millionen von winzigen Muscheln den Sand einfärben. Die Wellen spülen Sand über deine Füße und du kannst die Energie der Sonne auf deiner Haut spüren. Hinter dir weht eine leichte Brise durch die Palmenblätter. Du machst die Augen auf und merkst, dass das gerade kein Traum war, sondern wirklich wahr ist.

Die zwei Tage vergehen leider viel zu schnell und wir müssen weiter um Robin zu seinem Flug zu bringen. Sint Maarten ist durch die niedrigen Steuern bei vielen Seglern beliebt, es ist ein guter Ort um Reparaturen an seinem Boot zu machen. Die Heineken-Regatta wird aber mehreren Leuten ein Begriff sein, eines der größten Segelrennen findet Jährlich in der Simpson-Bay statt und zieht etliche Segler an.

Wir durften diesen Wahnsinn miterleben und waren überwältigt von allem. Es reihte sich die eine millionenschwere Superyacht an die nächste. Die Krönung war die SY A, mit 143 Metern die größte Segelyacht der Welt. Und weil das noch nicht genug ist, steht gleich daneben Superyacht Azzam, die größte Motoryacht der Welt. Wir genossen eine Woche den Trubel und die Feierstimmung der Insel und machen uns am Montag auf den Weg zu den British Virgin Islands. Aber nicht alleine! Auf Barbuda lernten wir vier junge Franzosen kennen, die mit ihrer gelben 10 Meter Holzyacht die Atlantikrunde machen. Wir verstanden uns auf Anhieb super und tranken das ein oder andere Bier miteinander. Auf Sint Maarten trafen wir die Jungs wieder und da wir die selbe Richtung hatten, verabredeten wir uns zu einem Rennen bis zu der holländischen Insel Jost Van Dyke. Leider können wir mit unserer etwas dickeren Eira nicht mithalten, 16 Tonnen kommen eben nur langsam in Schwung.

Wir werfen den Anker in der White Bay, eine ziemlich seichte Bucht voller Riffe und genießen den Sundowner. Lange hält uns die Insel jedoch nicht, am nächsten Tag nehmen wir abschied von unseren französischen Freunden und setzten Kurs auf Road Town, Tortola.

Man sieht der Hauptstadt an, dass sie schwer unter dem Hurrikane litt. Viele zerstörte Häuser, Unmengen von Müll und in jedem Gesicht die Wehmut und den Schmerz. Umso trauriger ist es für uns die etlichen zerstörten Segelyachten zu sehen, die langsam aber sicher auf ihren Untergang warten.

Angekommen im Paradies | Blogpost #012

Trotz der vielen Probleme die der Atlantik mit sich brachte, konnten wir schnell den Hafen auf Martinique verlassen. Der neue Baum war um einiges stabiler und massiver als der Alte, man hatte ein gutes Gefühl, dass er diesmal nicht so schnell brechen würde.

Endlich beginnt das langersehnte Buchten vor weißen Palmenstränden und in türkisem Wasser. Genau so hat man sich die Karibik vorgestellt, sich um nichts sorgen machen und von einem schönen Ankerplatz zum Nächsten zu segeln, es ist wie im Paradies, aber man kann nun mal nicht ewig im Paradies bleiben. Viele Segler warnten uns schon, denn als Weltumsegler muss man in den schönsten Buchten sein Boot reparieren, so auch unsere Eira.

In der Bucht vor Pointe-à-Pitre auf Guadeloupe macht unser Motor mal wieder schlapp, aber diesmal nicht wegen der Dieselpest. Um unsere Akkus zu laden, wollen wir den Motor anwerfen, wir bemerken aber, dass er ziemlich unrund läuft und ständig die Drehzahl ändert. Vince macht ihn vorsichtshalber wieder aus aber es tut sich lange nichts, der Motor läuft trotzdem weiter bis er langsamer wird und ausgeht. Was kann das denn nun sein? Wir probieren es ein zweites mal, dieses Mal ist es noch schlimmer, aus dem Auspuff kommt eine enorme Menge Öl heraus geschossen, ein schlechtes Zeichen. Im Motor muss ein Leck im Ölkreislauf sein, was in den Kühlwasserkreislauf läuft. Beim checken des Ölstands sprudelt uns die schwarze Flüssigkeit fast ins Gesicht, es ist viel zu viel drin. Beim zweiten Blick bemerken wir aber, dass es Öl mit etwas anderem gemischt sein muss, da es viel dünnflüssiger ist. Es stellt sich heraus, dass Diesel irgendwie in den Öltank gelaufen ist, aber wie? Tom kennt sich zwar gut mit Motoren aus, aber das scheint etwas schwieriges zu sein, deswegen fragen wir unsere Zuschauer auf Instagram nach Hilfe. Schon nach kurzer Zeit kommen etliche Nachrichten mit Tipps und Reparaturanleitungen bei uns an und wir sind einfach nur baff von der Unterstützung. Es stellt sich heraus, dass die Diesel-Hochdruckpumpe schuld sein könnte, da dort auch Diesel ins Öl gelangen könnte. Nachdem Tim gefühlt den halben Motor auseinander geschraubt hat, hatten wir endlich die Pumpe entfernt und es war eine Erlösung. Denn genau dort, wo die Pumpe von dem Motoröl umspült wird, trieft der Diesel heraus, das heißt dort ist unser Leck.

Wir suchen in der Marina nach einem Mechaniker, der uns weiterhelfen kann; vergebens. Niemand repariert Perkinsmotoren, auf Martinique soll es eine Werkstatt geben, das hilft uns aber nicht weiter. Mist! Eine Frau schreibt uns einige Adressen auf die wir in Guadeloupe abklappern sollen, vielleicht finde sich jemand der uns helfen kann. Nach langem Suchen und Fragen haben wir tatsächlich jemanden gefunden! Eine kleine Schrauberwerkstatt in der man sich vor lauter herumliegenden Ersatzteile kaum bewegen kann. In drei Tagen können wir die Pumpe wieder abholen. Besser gehts garnicht!

Tag X ist gekommen und Tim ist schon fleißig am schrauben, die Pumpe ist eingebaut, es fehlen nur noch die Einspritzdüsen. Tom sitzt oben im Cockpit und lässt den Anlasser arbeiten. Es ist immer eine Spannung in der Luft, wenn der Motor mal wieder repariert wurde. Jeder sitzt gespannt da und wartet nur auf das schnurren, wenn er endlich wieder läuft. Yess! Er läuft! Also können wir endlich aus dieser Bucht raus und weiter segeln! Am nächsten Morgen gehts gleich los, der Anker wird hoch gekurbelt und wir bewegen uns zum Ersten Mal wieder. Aber so solls nicht laufen, nicht mal 500 Meter gekommen fängt der Motor auf einmal zum pfeifen an, der Kolben scheint undicht zu sein. Das ist gerade aber echt ziemlich ungünstig, denn wir sind mitten in einem Riff, überall um uns herum ankern anderer Segelboote und wir sind quasi Manövrierunfähig. Nicht lange überlegt wird die Fock heraus geholt, eine Halse gefahren und unter Segeln den Anker werfen. Das Manöver klappt besser als gedacht und ehe wir uns versehen, liegen wir am selben Platz wie die letzten Tage. 

Aber was stimmt denn jetzt mit dem Motor nicht? Nach genauerem Betrachten stellt sich heraus, dass ein Gusseisenteil zwischen der Einspritzdüse und dem Motorblock gebrochen ist. Wir sind noch positiv gestimmt, vielleicht finden wir ja kurzfristig im Hafen einen Schweißer, der das wieder in Ordnung bringt. Tatsächlich finden wir jemanden und zwei stunden später ist das Teil frisch geschweißt wieder im Motor drin. Neuer Versuch:  Irgendwer will nicht, dass wir gehen. Das Teil ist direkt wieder gebrochen, die Schweißnaht hat nichts gebracht. Das ist typisch Segeljungs. Glück im Unglück. Tim hat die Idee, diese Unterlegscheibe einfach selbst zu bauen, wir haben die nötigen Geräte an Bord.

Es ist Sonntag Nachmittag, wir haben die Hoffnung ein bisschen aufgegeben jemals aus dieser Bucht heraus zu kommen, aber Tim kommt gerade wieder mit dem selbstgebauten Ersatzteil. Und es klappt! Der Motor läuft so gut wie noch nie! Selbst nach mehreren Stunden läuft die Kiste noch perfekt.

Man, was haben wir das Segeln vermisst! Wenn man solange auf dem Boot wie gefangen war, ist die Freiheit genießen und durch das Wasser schneiden genau das richtige. Es geht entlang der Westküste Guadeloupes zur nächsten Insel Antigua. Es macht unglaublich spaß voran zu kommen und die Landschaft an einem vorbeiziehen zu sehen.

Atlantik | Blogpost #011

Wie weit ist es eigentlich nach Martinique? Man kann sich das gar nicht so richtig vorstellen. 3000 Seemeilen oder 6000 Kilometer. Von daheim nach München sind es 100 Kilometer, eine Stunde dauert das etwa. Da hat man schon oft die Augen verdreht. Was soll man also bei einer Atlantiküberquerung machen? Wir wissen es jetzt: nichts. Man braucht erst garnicht versuchen sich mit irgendetwas zu beschäftigen, das ist vielleicht für die ersten drei, vier, fünf Tage ganz schön und gut, aber dann ist es auch vorbei. Und man hat noch vier mal so lange vor sich…

Die ersten Tage waren der Horror. Der Start in die Atlantiküberquerung ging mit knapp 30 Knoten Halbwind, vier Meter Welle und schlechtem Wetter los. Nach der dritten Nacht mit endloser Schaukelei und heulendem Wind sieht man in jedem Gesicht die Schlaflosigkeit und das „Was mach ich hier eigentlich?“. Mit der vollen Ölzeugmontur sitzt Tim hinter dem Steuer, die Sonne geht gerade am Horizont auf, die dichten Wolken lösen sich auf. Es kommt immer mal wieder eine Welle in das Cockpit herein geschwappt, alles ist nass. Man zuckt bei jedem Ruck ein bisschen zusammen, weil man denkt es kommt die nächste Dusche. So haben wir uns das nicht vorgestellt.

Aber was soll’s, auch das schlimmste Wetter geht einmal vorbei. Die See beruhigt sich wieder am fünften Tag und wir fahren einen angenehmen Raumkurs, man kann sogar nur in Badehose auf dem Vordeck liegen. Die gute Laune ist wieder da, wir vergessen fast, dass wir hier noch drei Wochen sitzen. Gerade wo jeder ein bisschen dahin döst, hören wir ein Geräusch,

welches einem Pusten ähnelt. Einem lautem Pusten. Kaum zu glauben aber es ist gerade wirklich ein riesiger Wal neben uns aufgetaucht! Ist das gerade wirklich passiert?? Alle springen auf, rennen auf’s Vordeck und halten Ausschau. „Da, er kommt direkt auf uns

zugeschossen!“. Was für ein Glück haben wir, dass ein 10-12 Meter langer Blauwal uns für mehrere Stunden begleitet und Kunststücke unter unserem Boot zieht! So kann die Überquerung gerne weiter gehen.
Gut geschlafen werden wir ziemlich früh von Tim geweckt. Es gibt schlechte Neuigkeiten. Das Großsegel hat einen Riss! Schei*e! Uns bleibt nicht viel übrig als es zu flicken, haben ja alles da. Wir kleben auf jede Seite einen Streifen aus Segelstoff über den Riss und vernähen die drei Schichten. Eine wahnsinns Arbeit aber gegen Abend sind wir fertig und können das Groß wieder hoch ziehen. Falls es nicht halten sollte könnten wir zur Not auf den Kap Verden Halt machen.

Die Tage gehen so dahin, die hälfte ist schon geschafft. Man ist längst in einem Rhythmus drin, einer täglichen Routine. Man steht ziemlich früh auf, weil einen die Sonne weckt, macht sich einen Tee zum wach werden, schnappt sich ein Buch oder die Gitarre und relaxt den restlichen Tag.

Wir sind uns alle einig, Segeltechnisch ist der Atlantik keine große Herausforderung. Durch den konstanten Ost-Passatwind kann man dauerhaft in der Butterfly-Stellung fahren und muss sich auch um die Windstärke nicht sorgen, wir hatten immer zwischen 17 und 25 Knoten.

Da sind wir also. 300 Meilen vor Martinique, noch knapp zwei Tage, dann ist es geschafft. Wind und Wetter sind ein bisschen schlechter geworden, es kommen immer wieder eklige Regenschauer. So sah für uns die Karibik nicht aus, da fehlt der blaue Himmel und die strahlende Sonne. Gerade wo sich alle mit einem Tee im Salon aufwärmen wechselt die Windrichtung, sodass die Segel von der falschen Seite angeweht wurden. Wir sind noch nichtmal aus dem Niedergang heraus, auf einmal kracht es. Es war so ein Krachen, bei dem man nichts gutes erhoffen konnte. Tatsächlich war es nichts gutes. Unser Großbaum ist durch den enormen Druck des Windes in zwei gebrochen. Es kam leichte Panik auf, schnell das Segel bergen und den Baum retten. Nicht einfach bei strömenden Regen, rutschigem Deck und nervigem Wellengang. In solchen Situationen merkt man, wo man gerade ist; dass Segeln nicht nur schönes Wetter, super Wind und Delphine ist.

Nachdem sich die Situation wieder beruhigt hat, haben wir die Bedeutung von „Lobt den Tag nicht vor dem Abend“ verstanden, denn der Tag war noch nicht vorbei. Mitten in der Nacht bei Michi’s Nachtschicht schlug auf einmal der Plotter Alarm. Winddaten fehlen, Ruderposition nicht vorhanden, Autopilot ausgefallen. Der Horror im ersten Momente! Der Atlantik will uns wohl doch noch auf die Probe stellen. Aber viel wichtiger: wie beheben wir das Problem wieder? Vorerst heißt es Hand ans Steuer legen, falls die Elektrik schuld ist können wir erstmal eh nicht viel daran ändern.

Die Stunden bis zum Ziel wurden kürzer, die zurückgelegten Meilen stiegen. Endlich war Land zu sehen! Zwar nicht so spektakulär, wie wir es uns vorgestellt haben, aber es war da. Es war erreichbar. Die Strände neben uns gaben uns eine Vorstellung von der bevorstehenden Zeit in der Karibik. Jetzt geht der Sommer los.

Kurz vor dem Sprung | Blog #010

Auch das Ausreisen aus Marokko war kein Problem. Es kamen wieder drei nette Herren vom Zoll zu uns aufs Boot. Vor lauter Begeisterung über unser Vorhaben haben sie ganz vergessen das Boot zu durchsuchen und wir konnten schneller als gedacht aufbrechen.

Bis zu den Kanaren sind es etwa 400 Kilometer, das könnten wir in zwei Tagen schaffen. Wir wissen noch nicht genau wohin wir wollen, deswegen setzten wir unseren Zielpunkt zwischen Fuerteventura und der Nachbarinsel Lanzarote. Das ist ja das schöne am Boot, man braucht kein exaktes Ziel, nur eine Richtung. Und was auf dem Weg dahin passiert, kann man selbst entscheiden.

Es geht also endlich wieder raus aufs Wasser, Gott sei Dank haben wir ruhiges Wetter, sonst ist das immer so ´ne Sache mit der Seekrankheit. Kaum ist man mal eine Woche auf trockenem Boden, schon hat man das Geschaukele vergessen. Wir haben aber Glück, wir sind alle ziemlich seefest.

Es geht Dienstag den 11. Dezember in die Nacht hinein, zwei Tage später ist schon wieder Land in Sicht. Die Kanaren. Man kennt den Namen gut als Urlaubsparadies. Teneriffa ist immerhin mit fast fünf Millionen Touristen die meist besuchte Insel der spanischen Inselgruppe, gefolgt von Gran Canaria. Die Kanaren sind eine der 17 Autonomen Gemeinschaften Spaniens und gehören somit politisch zu Europa, geologisch gesehen zählen sie aber zu Afrika, da sie auf dem selben Breitengrad liegen wie die Westsahara. Man kann schon verstehen, dass hier viele ihren Urlaub verbringen; immer angenehmes Klima, unglaubliche Landschaften und nicht zu teuer. In der ferne taucht zuerst die östlichste Insel, Lanzarote auf. Eine sehr kahle und trocken Landschaft, dafür tief türkises Wasser. Auf unserem Kartenplotter sehen wir eine kleine Bucht direkt zwischen den beiden Inseln. Da wollen wir hin. Da die Kanaren ein bekanntes Anlaufziel für viele Segler sind, sind wir natürlich nicht die einzigen hier. Auch hier merkt man stark den Tourismus. An dem kleinen Sandstrand sonnen sich etliche Urlauber und genießen die warme Auszeit von der kalten Heimat.

Jetzt müssen wir mal wieder runter von unsrem Kutter. Alle Mann springen mit Badehose ins Dingi und wir düsen zum Strand. Wir haben uns schon gedacht, dass das anlanden nicht leicht wird mit dem Wellengang, deswegen haben wir ja auch unsere Badehosen angezogen.

Nachdem wir eine Flaschenpost von zwei Seglern bekommen haben, die gerade Urlaub auf Fuerteventura machen, packen wir direkt unsere Sachen und fahren in den Hafen von Corraleja. Das ist schon komisch. Man stellt ein paar Videos ins Internet, reist tausende Kilometer von daheim weg, aber trifft auf den Kanaren begeisterte Zuschauer.

Wir wollen weiter Richtung Westen. Nächstes Ziel ist der Megahafen von Gran Canaria, in der Stadt La Palmas liegt die Marina. Wir bekommen gerade so den letzten Platzt, keine andere Box ist mehr frei. Gefallen tut uns der Hafen nicht, viel zu groß, viel zu viel los. Aber wir müssen hier her, es müssen noch die letzten Arbeiten vorm Atlantik erledigt werden.

Am Mittwoch den 19. geht die Arbeit los, drei Tage haben wir zeit, danach hat unsere Box jemand anderes gebucht.

Während Tim und Tom sich auf die Suche nach Holz begeben, erledigen Vince und ich den Ultra-Einkauf. Wir müssen für vier Wochen Essen und Trinken einkaufen. Klingt nicht schwer. Im Supermarkt angekommen war man dann doch eher überfordert. Man soll 25 Liter Wasser einkaufen… Die ersten zwei Einkaufswagen sind nur mit Getränken voll, das Essen kommt alles noch. Am Ende haben wir sechs Randvolle Einkaufswagen! Erstaunlicher weiße ist das für die Kassiererin ganz normal. Gut, dass der Laden einen Lieferservice hat. Kaum eine Stunde wieder auf dem Boot, schon kommen zwei Männer mit Sackkarren angestapft und laden 12 riesige Kisten voller Essen ab.

Wir treffen viele Leute hier. Viele Langfahrtensegler aus den verschiedensten Ländern, die genau das selbe machen wie wir. Aber wir treffen auch viele Hitchhiker. Junge Erwachsene die nach ihrem Studium die Welt sehen wollen. Eigentlich auch das selbe wie wir. Auf jeden Fall wollen sie per Anhalter herum reisen. Nicht mit dem Auto sondern mit einem Boot. Wir hätten gerne jemanden mit genommen, aber wir wollten nicht mit unserer Segelerfahrung die Verantwortung für jemand anderen tragen.

Wir haben alles fertig bekommen. Jetzt hat die Eira ein neues Bett, einen Tisch im Cockpit und hinter jeder Schranktür ist Essen.

Von Gran Canaria gehts nach La Gomera. Angeblich eine wunderschöne Insel. Wir steuern den Hafen in San Sebastian an. Der Erste mit dem wir reden ist Österreicher, wir denken uns wie lustig, ausgerechnet hier trifft man einen von daheim. Noch am selben Tag stellt sich heraus, dass so ziemlich jeder hier aus Deutschland oder Österreich ist.

Weihnachten steht vor der Tür. Bei den Segeljungs läuft Last Christmas von Wham, aus der Küche duftet es so, wie es daheim an Weihnachten immer riecht. Es gibt Hühnchen.

Am Abend kommen noch unsere netten Nachbarn vorbei und schenken uns was kleines. Ein Paar Steuerbord- Backbordsocken, wie geil!

Die Weihnachtsstimmung ist vorbei und wir verlassen den Hafen, aber nicht die Insel. Uns wurde nämlich gesagt, wir müssten unbedingt den Nationalpark Garajonay besuchen. Wir lassen unser Schiff im Westen der Insel stehen, in der Minimarina von Valle Gran Rey. 

Wir sind so frei und mieten uns ein Mietauto, hätten wir das nicht gemacht, hätten wir wirklich was verpasst.

Die Insel ist ein einziger Berg. Es geht enge Passstraßen hinauf. Durch einen grünen Jungel wo die Bäume bis in die Straße herein hängen, wo man Angst haben muss, dass gleich ein Affe auf dich zu springt. Die Natur verändert sich ständig, auf einmal ist man in einem Wald voller blätterlosen Bäumen, alles sieht verbrannt aus. Die Straße geht weiter. Hinter der nächsten Kurve taucht auf einmal ein riesiger Gesteinsbrocken auf. Ist man jetzt in Kanada? Felsige Landschaften und Nadelbäume. Wie gern wir die Insel per Fuß durchquert hätten, aber der Atlantik wartet geduldig und einige Sachen müssen noch erledigt werden.

Quer durch Marokko | Blog #009

Gerade so passen wir in das kleine, weiße Auto. Erst mal raus aus der Stadt. Der Verkehr ist eher gewöhnungsbedürftig. Gefühlt fährt jeder wie er will, auch Fahrbahnbegrenzungen gibts nicht wirklich. Ab und zu trifft man auf Esel, die riesige Karren voller Obst und Gemüse ziehen müssen. Man merkt, dass die Armut das Land beherrscht, trotzdem scheint das warme Wetter die Leute bei Laune zu halten.

Langsam kommen wir raus aus dem bebauten Gebiet, vorbei an großen Plantagen sehen wir in der Ferne schon das Gebirge. Teilweise noch schneebedeckte Gipfel glänzen im Sonnenlicht. Es dauert nicht lange und alle sind sich einig: wir müssen heute unbedingt in diesem Gebirge schlafen!

Das Atlas Gebirge breitet sich von der westlichen Küste Marokkos nach Nordosten aus. Dabei trennt es das Land in zwei hälften, im Süden die Steppe, viele öde Landschaften und Beginn zur Sahara. Im Norden mehr grün, mehr Hügel und die meisten großen Städte wie Marrakech, Casablanca oder Rabat befinden sich hier.

Es ist jetzt knapp 16Uhr, wir biegen von der Hauptstraße ab und fahren Richtung Norden. Wir kennen uns ja mit Bergen aus, waren schon viel wandern in den Alpen, aber das ist doch was anderes. Der südliche Teil ist ein sehr trockenes Gebirge, viel orangenes Gestein, wenig Bäume, karge Landschaft aber trotzdem fesselnd. Es geht eine enge Bergstraße hoch, wo grad mal zwei Autos nebeneinander passen. Die Sonne legt sich langsam, jetzt strahlt alles in einem roten Licht und wir kommen gar nicht mehr aus dem Staunen raus. Hinter uns liegt ein riesiges Tal, man kann die vielen Anbaufelder genau erkennen. Vor uns warten noch einige Höhenmeter und enge Bergpässe. Langsam müssen wir uns aber einen Schlafplatz suchen, die Nacht bricht an. Da wir in Sachen Roadtrips schon erfahren sind wissen wir auch, dass man die besten Schlafplätze nur findet, wenn man die Straße verlässt – wenn man dort lang fährt, wo man angst um sein Auto haben muss; dort, wo man eigentlich nicht lang will.

Wir biegen auf eine kleine Lehmstraße ab, rechts neben uns geht es steil runter, von links könnten jeder Zeit Steine herab fallen. Hier sind wir richtig. Tatsächlich führt der Weg zu einem kleinen Bergdorf, das in die Berge eingebettet und geschützt ist. Wir stellen davor unser Auto ab und klettern einen kleinen Hügel hoch, sodass wir etwa 100 Meter höher als das Dorf sind. Hat sich gelohnt. Die letzten Sonnenstrahlen leuchten über dem Horizont, ein wunderschönes orange/rotes Licht legt sich über die Gipfel, vereinzelte Sterne tauchen auf. Aus dem Dorf hört man einen Priester seine Gebete singen und ab und zu schreit ein Esel.

Der morgen bricht an. Wir wollen das kleine Dorf anschauen. Drei kleine Jungs erwarten uns schon, sie wollen, dass wir mitkommen. Einer führt uns in ein Haus herein, wir sind zuerst ein bisschen skeptisch aber der kleine besteht darauf. Ein Mann empfängt uns herzlich, lädt uns in sein Wohnzimmer ein und tischt ein unglaubliches Frühstück auf. Wir sind total überwältigt von der Gastfreundschaft hier. Leider können wir uns nicht wirklich unterhalten, keiner von uns spricht eine gemeinsame Sprache, lachen können wir trotzdem zusammen. 

Nach ein paar Stunden Fahrt liegt Marrakech vor uns. Wir haben uns ein Riad gebucht, eine art Hostel. Direkt im Zentrum des großen Souks. Souks sind die großen Märkte in Marokko, man findet sie überall und man kann fast alles dort kaufen. Essen, Kleidung, Instrumente. Ein einziges Chaos herrscht hier, Rollerfahrer rasen durch die engen Gasen, ständiges Hupen, Mandarinenverkäufer überall. Aber es ist ein angenehmes Chaos, man wird nicht übern Haufen gefahren oder von den Menschenmassen erdrückt, alles ist so anders. An den Wänden und an den Decken hängen lange Kleider und gestrickte Wolljacken, jeder will dir was verkaufen und dir klar machen, dass das ein unschlagbarer Preis ist. Überall gibt es was zu sehen und zu kaufen. Die vielen Gewürzverkäufer verbreiten verschiedene Gerüche durch die Gassen und so schlendert man dahin, weiß nicht ganz genau was man als nächstes kaufen soll.

Alle Wege führen am Ende zu dem großen Marktplatz, dort gibt es unzählige Essensstände. Wir lassen uns von einem der Kellner anwerben und überreden in seinem Restaurant zu essen, weil „Good price“. Die Einheimischen wissen wie sie mit Touristen umgehen müssen, solange nerven bis man aufgibt, da muss man sich aber drauf einlassen. Man darf sich dadurch nicht die Laune verderben lassen, auch wenns anstrengend ist 10 mal Nein hintereinander zu sagen.

Das nächste Ziel wird Chefchaouen sein. Die blaue Stadt. Der weg dahin führt durch Steppenlandschaften wie in der Mongolei, grüne Hügel wie in Irland und Gebirgsstraßen wie in den Alpen. Die Stadt liegt im Ref-Gebirge, ein Teil des Atlasgebirges im Norden von Marokko. Von weitem kann man schon die blauen Häuser heraus stechen sehen. Chefchaouen bedeutet „zwei Hörner“ und meint damit die zwei Bergspitzen, die man von der Stadt aus sehen kann. Das Blau soll böse Blicken ablenken und somit die Einwohner schützen.

Wir lernen Hassan kennen, unser Hostelbesitzer. Ein super Typ und mit seiner Band „The Seven Doors“ auch ein kleiner Rockstar in Marokko. Er führt uns ein wenig in der Stadt rum, zeigt uns die umliegenden Berge und erklärt uns die wahre Situation in Marokko.

Auch hier gibt es einen Markt, aber ganz anders wie in Marrakech. Es ist wenig los, keine Mopeds rasen an dir vorbei und die Verkäufer sind nicht so aufdringlich. Man wandert durch die kleinen Gassen, von oben strahlt die Sonne herunter und bringt das blau links und rechts neben dir zum Leuchten. Man fühlt sich wohl hier. Wir essen ein traditionelles Gericht, ein Tajine, das ist Coucous mit verschiedenem Gemüse und Fleisch serviert in einem Tontopf.

Wir sind jetzt schon fünf Tage unterwegs, das Segeln hat man fast ganz vergessen, aber jetzt gehts wieder zurück. In Agadir angekommen sind wir gespannt ob das Boot noch da steht. Genau so wie wir es verlassen haben, liegt die Eira noch entspannt im Wasser, geduldig wie sie ist.

Die Reise nach Marokko | Blog #008

Nach all dem Arbeiten muss auch irgendwann mal gut sein. Vor allem wenn man in Lissabon ist und seit fast einer Woche die Arbeitsstätte nicht wirklich verlassen hat. Es kommt langsam zum Ende. Zu guter letzt kommt endlich der neue Windgenerator, unser alter hat sich anscheinend zu schnell gedreht und zum rauchen angefangen – kein gutes Zeichen. Dafür haben wir jetzt einen der zehn mal besser und somit das Stromproblem vom Boot verbannt. Aber ganz so einfach läuft’s mal wieder nicht, der Windgenerator ist ein kleines Stück größer als sein Vorgänger und passt nicht ganz auf unsere Halterung. Was jetzt? Eine Halterung kaufen kann man vergessen – 800€. Durch eine kleine Verlängerung nach oben würde alles perfekt passen. Wir find Gott sei dank jemanden im Hafen der uns weiter hilft. Wir sind nämlich in einer art Werft, überall wird an Booten gearbeitet und gewerkelt und praktischer weiße auch geschweißt. Tim geht vor zum Hafenbüro um nach zu fragen ob sie einen Schweißer frei haben – ja zufälligerweise schon! Montag können wir das Konstrukt abholen. 

Montag morgen kommt Tom mit dem Eisengestell in der Hand angerannt, ein bisschen aufgeregt ob’s denn jetzt klappt. Jooaaa. Der Rotor kann sich frei Bewegen und auch in alle Richtungen, aber zum Mast hin wird’s ein bisschen eng. Hoffen wir mal da wackelt nix.

Jetzt wo wirklich alle Arbeiten gemacht wurden können wir uns die Stadt anschauen. Eine echt tolle Stadt! Uns wurde empfohlen mit der Tram 28 zu fahren, die fährt wohl durch enge Gassen und an schönen Plätzen vorbei. Endstation ist auf einem Hügel von wo aus man einen tollen Blick bist zur Brücke hat. Langsam wird’s kalt, wir schwingen uns auf die Skateboards und fahren die ganze Strecke wieder runter.

Heute gehts wieder ab ins Wasser. Dienstag morgen noch schnell ein paar Kleinigkeiten erledigen, dann kommt schon der Kran angerollt.

Eigentlich wollten wir ja gleich nach Marokko, aber wir haben nach der langen Zeit auf Land den Wind ganz vergessen. Natürlich hatten wir kein Glück und der Wind kam aus der falschen Richtung. Dazu kommt jetzt noch ein Problem; Nach langem herum telefonieren haben wir das Problem, dass kein Hafen in Lissabon Platz für uns hat. Nach kurzer Verzweiflung fällt uns ein wir könnten ja einfach nach Callais fahren. Eine kleine Vorstadt etwa 30 km von Lissabon mit ziemlich großer Marina. Wir bleiben eine Nacht und gehen am nächsten Tag noch groß einkaufen für den Atlantik. Uns wurde geraten Dosen und Nudeln noch in Portugal zu kaufen, weil sie da noch am billigsten sind.

Es ist Donnerstag. Der Wind sieht ziemlich gut aus, wir haben echt Lust auf Segeln, wenn da nur nicht der strömende Regen wäre. Aber wir haben ja nicht umsonst eine komplette Regenausrüstung. In mehreren Schichten eingepackt manövrieren wir aus dem Hafen heraus wo riesige Wellen auf uns warten. Das haben wir nicht erwartet, aber naja, das steigert den Spaßfaktor.

Die Tage auf dem Wasser vergehen ziemlich schnell. Man kommt in einen Rhythmus voller Nichtstun rein. Der Tag besteht hauptsächlich aus faulenzen, essen und schlafen. Trotzdem passiert immer wieder was. Man erlebt wunderschöne Sonnenuntergänge, strahlende Sternennächte, atemberaubende Walsichtungen und spannende Kochexperimente. Uns wurde geraten fern von der Küste zu bleiben, weil Nachts viele Fischer ohne Licht auf dem Wasser sind.

Nach fünf Tagen sehen wir wieder Land. Aber diesmal ist es was anderes. Es ist ein neuer Kontinent, Afrika. Leider einer der ärmsten Kontinente aber auch gleichzeitig einer der schönsten. Mit der größten Sandwüste der Welt, verschiedenen Landschaften und eine enorme Tiervielfalt. Marokko ist dabei eines der nördlichsten Länder.

Wir laufen den Hafen von Agadir an. Er sieht auf den ersten Blick ziemlich modern aus, fast ein bisschen zu modern. Da wir wie gesagt nun außerhalb der EU sind, müssen wir einklarieren, das heißt, es kommen drei Beamte auf unser Boot und checken was wir so dabei haben. Dabei sind sie sehr gründlich und halten vor allem nach Drogen ausschau. Es waren trotzdem drei nette Herren die auch Humor hatten, als sie unsere Mehlpäckchen fanden.

Die Stadt finden wir alle nicht so schön, eine eher westliche Großstadt.

Unser Plan ist es ein Auto zu mieten und Land und Leute kennen zu lernen, der Hafenmeister kann uns eins für 160€ organisieren und am nächsten Tag gehts schon los.

Kein Wasser unterm Boot | Blog #007

Es gibt einen Ausblick. Mit Glück kommen wir in den nächsten Tagen aus dem Hafen. Laut Wetterbericht sollen die Wellen von Tag zu Tag kleiner werden, auch der Wind soll abnehmen. Endlich. Auch wenn der Hafen und die Stadt nicht wirklich hässlich sind, wollen wir weg. Die Hauptstadt Lissabon ist dann doch attraktiver als so ein verschlafenes Städtchen.

Während wir auf bessere Zeiten warten haben wir unsere ersten Freunde gefunden. Ein älteres Pärchen aus Dänemark, Karl und Aga. Sie leben seit neun Jahren auf ihrem 11 Meter Segelboot, waren aber noch nie wirklich segeln. Bis sie sich vor einigen Monaten für eine Weltumsegelung entschieden. Wir lachen, das erinnert an uns selbst. Kaum Ahnung aber große Ziele. Wir quatschen über unsere Erlebnisse während einer Runde Bier, gelacht wird viel.

Es ist Mittwoch der 14. November. Tom und Vince schlafen noch tief, Tim kommt gerade vom Strand zurück und man kann ein leichtes Lächeln erkennen. Vielleicht können wir sogar heute schon los – kleine Wellen und guter Wind. Ein bisschen spontan brechen wir noch Mittags auf, schnell auftanken und los gehts. Wo vor ein paar Tagen noch riesige Brecher in die Hafeneinfahrt geschwappt sind, sind es jetzt nur noch kleine, gleichmäßige Wellen. Trotzdem schaukelt die Eira hin und her, zwei Meter gehts noch hoch und runter. Euphorisch und munter gehts raus aufs Meer, mit 6 Knoten rasen wir in den roten Sonnenuntergang. Die Nacht bricht schnell an obwohl es erst 20 Uhr ist, Tausende von Sterne kommen zum Vorschein und der Mond liegt sichelförmig am Horizont.

Anscheinend haben wir uns zu viel über den Wind gefreut, denn der ist nun weg. Das laute Brummen des Motors bringt immer so eine Hektik mit sich, bei der kaum einer schlafen kann – außer Tom, der schläft wie ein Stein. Alles wackelt hin und her und man liegt wie in einem Delirium in seinem Bett und döst vor sich hin. Man ist direkt froh, wenn seine Nachtschicht beginnt. Der nächste Tag ist dann auch immer total trist, aber komischerweise kann man an Deck, wenn die Sonne einem ins Gesicht scheint, besser schlafen.

Die letzen Seemeilen werden teilweise unter Segel gefahren, bis wir endlich in der Flussmündung des Rio Tajo ankommen. Dort befindet sich die 2,8 Millionen-Einwohner Stadt Lissabon. In einem wunderschönem, orangenem Licht gleiten wir die letzen Meilen an der Strandpromenade entlang und staunen über monumentale Bauwerke. „Da, die Golden Gate Bridge“. Fast so beeindruckend wie das eigentliche Wahrzeichen von San Franzisko erstreckt sich die Ponte 25 de Abril mit mehr als zwei Kilometer über den Fluß und verbindet in Nord-Süd-Richtung Lissabon mit der Stadt Almada.

Unsere Nächtigungsstätte wird die Marina in dem Stadtteil Alcântara sein. Bei Dunkelheit kommen wir im Hafen an, müssen zwar kurz nach einem Anlegeplatz suchen, finden dann aber direkt in der Mitte einen.  Wir gehen gleich mit allen Papieren zum Hafenmeister. Auch wenn man noch in der EU ist, muss man alles vorzeigen, also Reisepass, Schiffspapiere, Versicherungsbescheinigung, … . Leider müssen wir erfahren, dass wir nicht lange bleiben können, da der Hafen komplett ausgebucht ist. Ist für uns aber nicht weiter schlimm, weil wir sowieso einen großen Kran brauchen der uns aus dem Wasser heben kann. Denn unsere Eira wird nun für ein paar Tage auf dem Trockenen auskommen müssen.

Nach viel herum telefonieren können wir einen Termin ausmachen zum heraus Kranen, der Hafen ist nur ein paar Seemeilen weiter. Um 9 Uhr morgens sollen wir dort sein. Also gehts am Freitag den 16. um 7 Uhr in der Früh zu dem besagten Hafen. Wir legen an einem kleinen Wartesteg an und quatschen kurz mit dem Kranmeister. Total netter Typ, der wahrscheinlich bemerkt, dass es unser erstes mal ist. Laut ihm ist das alles ganz einfach: wir sollen rückwärts in die fünf Meter breite Bucht fahren und dann das Boot versuchen still zu halten. So locker wie er das gesagt hat, klappt es dann leider doch nicht. Die Wellen sorgen für eine starke Strömung, die das Boot hin und her schmeißt. Während Tim am Steuer ist versuchen alle anderen das Boot fern von den Betonwänden links und rechts zu halten. So ein 16 Tonnen Ding lässt sich aber nur schwer mit Muskelkraft verschieben. Nach 10 Minuten Gewackel ruft der Kranmeister zu uns runter, wir sollen da raus und es in ein paar Stunden nochmal versuchen.

Nach etwa 3 Stunden kommt der neue Anlauf. Das Wasser ist merklich ruhiger geworden, vielleicht klappt’s ja jetzt. Wir manövrieren das Schiff wieder Rückwärts in die Bucht, unter dem Boot die Tragegurte des Krans. Es ist jetzt viel entspannter – kaum sind wir drin, schon fängt der Kran an zu ackern und zieht uns hoch. So hoch war die Eira schon lange nicht mehr. Erleichterung und Freude bei uns. Unsere Dame wird über den großen, leeren Platz gefahren und auf 6 Stützen abgestellt. Ist ein ziemlich massives Ding, mit dem wir uns hier fortbewegen. Der Rumpf sieht soweit gut aus, es haben sich aber viele kleine Blasen, gefüllt mit Salzwasser, gebildet die weg müssen. Nach langer Zeit wird mal wieder richtig gewerkelt – das Unterwasserschiff wird von Muscheln gesäubert, die Bläschen abgeschliffen, eine neue Grundierung aufgetragen und mit mehreren Schichten Antifouling bestrichen. Leider gab es den Farbton rot nichtmehr, deswegen mussten wir schwarz nehmen, die Meinungen gehen eher auseinander.

Außerdem sind wir jetzt um zwei Seeventile reicher. Eins für die Entsalzungsanlage und eins bei der Spüle, damit man mit Salzwasser abwaschen kann. Das ist ziemlich praktisch bei längeren Strecken.

Gefangen im Hafen | Blog #006

Nach dem uns der nette Hafenmeister von Muros geraten hat am 30. aufzubrechen, da das schlechte Wetter dann vorbei sei, befolgen wir diesen Rat. Die nächsten zwei Tage sind ziemlich Trüb, ständig hängen dicke Wolken über dem Wasser und der Nieselregen verdirbt uns die Laune. So haben wir uns Spanien nicht vorgestellt, wir sind aber auch etwas spät dran für das schöne Sommerwetter. Am Mittwoch kommen wir spätnachmittags in der Marina von Baiona an. Es sieht so aus als werden wir hier ein paar Tage verbringen, nicht wegen der schönen Stadt aber wegen dem Wind, denn wir brauchen Nordwind um bis nach Portugal zu kommen. Baiona ist der letzte Hafen an Spaniens Küste. Da heute Halloween ist wollen wir am Abend mal in die nächst größere Stadt fahren und in eine Bar schauen. Der letzte Bus fährt um 22 Uhr, knapp eine halbe Stunde sind wir unterwegs. Vigo ist mit 400.000 eine Großstadt für uns „Landkinder“.

Nach einer langen Nacht geht’s am Abend weiter nach Süden, der Wind ist top, die Leinen werden los gemacht und die Segel gleich gesetzt. Es ist schon stockdunkel, für uns eher unangenehm in die Nacht hinein zu segeln. Etwa eine Seemeile aus dem Hafen raus merken wir dass der Wind stärker ist als gedacht. Die Eira liegt ziemlich schräg drin obwohl nur die Fock ausgerollt ist! Mit stolzen sieben Knoten „fliegen“ wir in die Dunkelheit hinaus. Einerseits sind wir erstaunt, wie gut wir bei einem Halbwindkurs performen, andererseits haben wir auch ein mulmiges Gefühl, da hohe Wellen über das Vordeck schwappen. Nach kurzer Besprechung entscheiden wir uns wieder umzudrehen. Die Zeit drängt noch nicht so sehr, dass wir unnötige Risiken eingehen müssen. Der Wind wird immer stärker, es sind  schon knappen 30 Knoten und jetzt fängt es auch noch an zu regnen. Nach einem gescheiterten Ankermanöver (der Untergrund war zu sandig, deswegen hat der Anker nicht gehalten) legen wir in einer Box an. Der Regen peitscht ins Gesicht, man versteht kaum ein Wort und die Laune sinkt stetig. Endlich ist das Boot fest und wir können unter Deck ins trockene. Für uns geht’s schnell ins Bett, weil wir morgen früh los wollen.

Wir haben die Bucht verlassen und Kurs auf den nächsten Hafen gesetzt. Schon nach 15 Seemeilen sind wir über die portugiesische Grenze. Diesmal ist der Wind zu schwach. Der Motor läuft jetzt schon seit Anfang an und das Gebrumme geht jedem auf die Nerven. Auf einmal ruft Vince wir sollen unbedingt hoch kommen. Wir haben ein bisschen Angst, dass schon wieder was kaputt ist aber kaum aus dem Niedergang rausgeschaut, sehen wir unzählige Delfine aus dem Wasser springen. Eine ganze Delfinschule kommt auf uns zu geschwommen, hunderte kreuzen unseren Weg und sind so freundlich, dass sie uns ein Stück begleiten. Obwohl wir jetzt schon ein paar mal Delfine gesehen haben ist es immer wieder atemberaubend. Delfine zählen zu den intelligentesten Tieren, da sie ein sehr komplexes Gehirn besitzen. Manchmal hat man wirklich das Gefühl, die Tiere würden einen in die Augen schauen wenn sie unter einem schwimmen.

Die Nacht kommt schnell und uns erwartet eine weitere Überraschung. Das Wasser glitzert mal wieder wegen der fluoreszierenden Algen und einzelne Delfine rasen durchs Wasser. Sie ziehen meterlange leuchtende Streifen hinter sich her, da sie die Algen hinter sich aufwirbeln. Das erinnert ein bisschen an den Film „Life of Pi“

Der Wind ist noch immer nicht gekommen, also steuern wir die nächste Marina an, die Stadt heißt Figueira da Foz. Nach einer kleinen Erkundungstour fällt uns auf, dass die Stadt ziemlich herunter gekommen ist. Lauter verlassene Häuser, viele Ruinen, mehrere umgeknickte Laternenmasten. Es ist schon dunkel und wir sehen am Ende der Barmeile ein helles Gebäude. Je näher wir kommen desto mehr blendet es. Es ist ein riesiges Casino. Ein massiver Glasklotz. Wir können nicht anders und werfen einen blick rein. Hohe Säle, gefüllt mit Menschen die vor Automaten ihr Glück erhoffen. Ein wenig geschockt sind wir schon beim rausgehen. Das Casino zieht die Einheimischen an wie ein Magnet. Vielleicht ist die Stadt deswegen so verlassen.

Nun sind wir schon seit fast einer Woche gefangen im Hafen, weil riesige Wellen die Ausfahrt unmöglich machen. Das Wetter wird immer schlechter, es Regnet teilweise den ganzen Tag und dunkle Gewitterwolken blockieren das Tageslicht. „You will not make it“ sagt der Hafenmeister als wir ihn fragen, ob es morgen besser aussieht. Jeden Tag wird die Langeweile größer, man kann bei so verregneten Tagen eben nicht viel machen.

Sonntag zeigt sich endlich die Sonne. Es ist zwar nicht unbedingt wärmer, aber alleine schon das es heller ist macht bessere Laune. Wir packen unsere aufblasbaren SUP’s ein und machen uns auf den Weg zum Strand. Der Strand erstreckt sich mehrere Kilometer in beide Richtungen. Schon vom Wasser aus sahen wir das fast die ganze Küste Portugals aus Strand besteht. Die Wellen sind aber immer noch riesig. Massive Mauern aus Wasser schlagen auf den Sand und ziehen Unmengen von Sand ins Meer. Mit dem Surfen wird das wohl nix. Das Meer ist auch viel zu kalt dafür. Wir haben uns von den Wellen noch ein bisschen anspülen lassen und sind mit den Boards auf den Brechenden Wellen an den Strand geritten.