Auf Zwei Rädern | Blogpost #014

Nach einer anstrengenden Überfahrt von den BVI’s in die Dominikanische Republik mit dem ständigen Brummen des Motors im Hintergrund werfen wir vor Samaná den Anker. Der erste Eindruck ist eher so naja. Total verschmutztes Wasser, in dem man nicht mal seine Füße waschen will und eine runter gekommene Stadt mit zerfallenen Häusern. Die Natur sah dafür unglaublich aus. Grün, saftig, lebhaft. Es war schon von vornherein klar, dass wir das Land erkunden wollen, also machen wir uns gleich am nächsten Tag auf den Weg um ein paar Mopeds auf zu treiben. 10$ pro Tag, 150 ccm, viel Spaß.

Wir kommen erst nachmittags los, mit dem Rucksack auf den Gepäckträger geschnallt und der Sonnenbrille im Gesicht fahren wir aus der hektischen Stadt heraus und entlang an der Küste. Ein Ziel gibts wie immer nicht; naja, viel sehen und Leute treffen wenn man so will. Der Schlafplatz für Tag 1 ist ein einsamer Strand, der nur schwer über eine Schotterpiste zu erreichen ist. Ganz wie in alten Zeiten liegen wir in unseren Schlafsäcken vor dem Lagerfeuer. Die Sonne legt sich über dem Horizont, das Wasser glitzert in einem wunderschönen rot und Pelikane fliegen durch die Szenerie. Man weiß, irgendwas hat man richtig gemacht.

Tag 2 beginnt um 7:30, die Palmen schützen uns noch vor der heißen Morgensonne, aber es ist jetzt schon unerträglich in unseren Betten. Wir wollen uns so schnell wie möglich auf die Bikes schwingen und den kühlen Fahrtwind im Gesicht spüren. Zum Frühstück halten wir an einem kleinen Straßenstand, kaufen für etwa 2$ zwei frische Ananasse und ein paar Bananen. Das Leben hier ist entspannt, die Hitze lässt erst gar kein Stress zu, wer sich hier hetzt, der macht etwas falsch. Und man merkt, es tut den Leuten gut, kein grimmiges Montag-morgen Gesicht oder ein aufgebrachtes Telefonat mit dem Chef zu sehen, viel öfter ein ‚Guten Morgen‘ über die Straße herüber rufen.

Die Straßen sind schön zu fahren, es gibt immer einen Nebenstreifen der extra für die etlichen Mopedfahrer da ist. Die Zweiräder spielen eine große Rolle in diesem Land, sie dienen nicht nur der schnellen Fortbewegung, auch sind sie ein Zeitvertreib und Beschäftigung von vielen und oft der stolze Besitz des Mannes.

Wir fahren entlang des Nationalparks ‚Las Colina‘ und machen halt in einem kleinen Bergdorf. Wir haben uns schon daran gewöhnt eine Attraktion zu sein, die Leute finden wohl den Anblick von vier weißen Jungs auf alten, klapprigen Motorrädern amüsant, genau so wie wir. Oft wird man angesprochen, was wir hier denn machen, warum wir nicht wie alle anderen Touristen in Bussen durch die Gegend fahren. „Viel Spaß noch“.

Da unsere Maschinen nicht mehr die neusten sind war uns klar, dass früher oder später etwas kaputt gehen würde. Vince Hinterreifen ist platt, ein Nagel steckt tief im Mantel. Scheiße! Wir sind irgendwo in den Bergen, die nächst größere Stadt ist viel zu weit weg und an Flickzeug haben wir natürlich nicht gedacht. Langsam schieben wir die Mopeds durch das Dorf und bekommen von allen Seiten Hilfe angeboten. Jeder der den platten Reifen sieht kommt zu uns und versucht mit Händen und Füßen uns den Weg zur nächsten Werkstatt zu erklären. Die Hilfsbereitschaft ist unglaublich! Wir stehen vor einem großem, alten Baum, darunter ist eine kleine Schrauberwerkstadt aufgebaut mit einem kleinen Blechdach und einem Feuer in der hinteren Ecke. Der Mann sieht uns und unsere Problem und ohne ein Wort zu sagen schnappt er sich seinen Schraubenschlüssel, baut den Reifen aus und flickt den Schlauch auf eine Weise wie wir es noch nie sahen. Nach etwa 15 Minuten ist alles wieder zusammen gebaut und was verlangt er? 1$. Nicht mehr, unglaublich!

Gegen späten Nachmittag kommen wir in der Hauptstadt Santo Domingo an, das Verkehrschaos  kommt uns bekannt vor. Wie in Marokko fährt jeder wie er will, Ampeln sind nur zur Deko da und die Mopedfahrer sind lebensmüde. Wir nehmen uns ein Zimmer, es ist komisch zu sagen, aber Motorrad fahren ist anstrengender als man glaubt.

Tag 3 führt uns wieder heraus aus dem städtischen Trubel und zurück aufs Land, wir haben uns Cotuí als Ziel gesetzt. Die Straßen werden kleiner und der Verkehr weniger, auf holprigen Straßen geht es durch von der Natur eroberte Gebiete. Schon während der ganzen Tour fällt uns auf, dass das Leben hier auf den Straßen statt findet. Egal zu welcher Tageszeit man unterwegs ist, man sieht immer Leute vor ihren Häusern sitzen oder Kinder auf den Wiesen spielen. Deswegen weiß auch meistens gleich das ganze Dorf bescheid was man gerade beim Minimarkt eingekauft hat; die Menschen leben noch miteinander. Wir kommen nicht ganz so schnell voran wie gedacht, da alle paar Stunden jemand einen Platten bekommt. Das ist hier aber wohl keine Seltenheit, da hinter jeder Ecke eine kleine Blechhütte steht, die wahrscheinlich nichts anderes tut als den ganzen Tag Reifen zu flicken.

Es wird schon dämmrig, der Himmel färbt sich rot und das Tageslicht verschwindet langsam hinter den Bergen, erst im Dunkeln kommen wir in der Stadt an und müssen uns gezwungenermaßen ein Hostel suchen.

Tag 4 bringt uns an die wunderschöne Nordküste des Landes. Die Straße führt durch ein enges Gebirge, es geht Bergauf und Bergab, den Palmensandstrand immer im Blick. Wir habens ein bisschen eilig, da wir um 16 Uhr die Motorräder wieder abgeben müssen,  trotzdem genießen wir die letzten Kilometer auf unseren Bikes. Schnell noch einen Blick an einen der wunderschönen Sandstrände werfen, um die Vorfreude auf die nächsten Tage unter Segeln zu steigern. Nach einer Weile kommen wir endlich wieder in die Nähe der Zivilisation, die Leute winken uns zu und lachen mit uns; Vielleicht auch über unsere kaputten Mopeds, aber sie scheinen Spaß zu haben. 12 Kilometer bis Samaná steht auf dem Straßenschild, die Straße kommt uns wieder bekannt vor. Schade, dass es schon vorbei ist, man hat sich in der kurzen Zeit ein bisschen verliebt in seinen fahrbaren Untersatz. Fast zu perfekt kommen wir um Punkt 16 Uhr in der Stadt an und stehen vor dem Verleih, nicht mal der Besitzer ist schon da. Die Abgabe war kein Problem, 2$ wollte er für zwei fehlende Muttern, sonst hatte er aber nichts zu meckern. 

Jeder war froh die Eira wieder zu sehen, es ist eben ein Zuhause geworden. 

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